Gold unter Druck
Der Goldpreis ist im frühen Freitagshandel zeitweise unter die charttechnisch wichtige Marke von 4.000 Dollar gefallen. Das ist das erste Mal seit Mitte Juli. Zuletzt notierte die Feinunze bei 4.011,20 Dollar. Die Marke gilt Händlern als Unterstützung, ein Bruch könnte weitere Verkäufe auslösen.

Fed und Inflation im Mittelpunkt
Die Marktakteure warten auf die Sitzung der US-Notenbank am 27. und 28. Oktober und auf die US-Inflationsdaten (PCE) am 29. Oktober. Laut einer Analystenumfrage von TradingEconomics wird ein Anstieg von 3,4 auf 3,6 Prozent im Jahresvergleich erwartet.
Eine Zinserhöhung im Oktober gilt nach dem CME-FedWatch-Tool als unwahrscheinlich, die Wahrscheinlichkeit liegt bei 7,2 Prozent. Für Dezember rechnen Marktteilnehmer laut Reuters mit rund 80 Prozent Wahrscheinlichkeit weiter mit einer Erhöhung. Die Fed hatte im September erstmals seit 2023 den Leitzins angehoben, und Fed-Chef Kevin Warsh hatte sich zuletzt nicht auf Oktober festgelegt. Für Gold, das keine Zinsen zahlt, sind höhere Zinsen ein Nachteil, weil festverzinsliche Anlagen attraktiver werden.

Risiko: Verkäufe aus Liquiditätsgründen
Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch Zweifel an der Nachhaltigkeit der hohen KI-Investitionen. Sollten die Aktienmärkte weiter nachgeben, könnten Anleger Gold aus Liquiditätsgründen verkaufen, um Verluste anderswo auszugleichen. Das würde den Abwärtsdruck verstärken, obwohl Gold als sicherer Hafen gilt.
Entlastung wäre möglich, wenn sinkende Ölpreise die Inflationssorgen dämpfen oder schwächere Konjunkturdaten die Zinserwartungen weiter senken. Kurzfristig bleibt Gold damit zwischen geldpolitischen Risiken und möglichen positiven Impulsen gefangen.
Öl: Versorgungsängste halten den Preis hoch
Der Ölpreis hat sich nach dem kräftigen Anstieg des Vortages weitgehend stabilisiert, die Sorge vor Lieferunterbrechungen im Nahen Osten bleibt aber hoch. Der WTI-Future verteuerte sich bis gegen 7:30 Uhr um 1,06 auf 100,53 Dollar, Brent um 0,95 auf 114,12 Dollar.
Auslöser sind eskalierende Kämpfe zwischen Saudi-Arabien und den Huthi-Rebellen. Der staatliche Ölkonzern Saudi Aramco ließ seine Konzernzentrale in Dhahran evakuieren. Hinzu kommt die angespannte Lage an der Meerenge Bab al-Mandab am Südzugang zum Roten Meer, einer wichtigen Handelsroute. Störungen des Schiffsverkehrs könnten den Öltransport erheblich beeinträchtigen. Auch aus Libyen kamen schlechte Nachrichten: Die Sperrung einer Pipeline führte zu Förderrückgängen auf zwei Ölfeldern.

Entspannung könnte aus der Diplomatie kommen. Russland signalisierte Bereitschaft, Anfang November die von den USA vermittelten Friedensgespräche zur Ukraine wieder aufzunehmen. Eine spätere Lockerung der Sanktionen gegen russische Energielieferungen könnte das Ölangebot erhöhen. Kurzfristig dominieren aber die Versorgungsrisiken.
Einordnung für Anleger
Gold und Öl erzählen gerade zwei verschiedene Geschichten, die über die Inflation zusammenhängen. Ein Ölpreis über 100 Dollar hält die Inflation hoch und die Zinsen oben, und das belastet Gold. Ein Ende der Nahost-Spannungen würde beides entspannen: den Ölpreis und den Zinsdruck.
Für Anleger heißt das: Der 27. bis 29. Oktober entscheidet. Fällt die PCE-Inflation höher aus als erwartet, steigen die Chancen für eine Dezember-Erhöhung, und Gold gerät weiter unter Druck. Die Meldung enthält keine Prognose zum Goldpreis, nur eine Aufzählung von Risiken. Wer Gold als Absicherung hält, sollte die Marke von 4.000 Dollar, die Fed-Aussagen und den Ölpreis im Blick behalten. Dies ist keine Anlageberatung.


