Ausverkauf bei den drei Großbanken
Eine Verkaufswelle bei den Banken Singapurs hat Analysten auf den Plan gerufen, die zum Einstieg raten. Von Macquarie über Jefferies bis Franklin Templeton fordern sie Anleger auf, über den Ausverkauf der vergangenen Woche hinauszuschauen. Er hat bei den drei größten Banken des Stadtstaates, DBS, OCBC und UOB, zusammen 22 Milliarden Dollar an Börsenwert vernichtet. Das berichtet Bloomberg.

Auslöser war die Sorge vor steigenden Anleiherenditen, die auf Mehrjahrzehnthochs geklettert sind. Anleger fürchten, dass sie die Banken als Dividendenwerte weniger attraktiv machen und Verluste auf deren Anleihebestände verursachen. Der Absturz hat Singapurs Börsenindex, der in diesem Jahr zu den besten großen Märkten Asiens zählte, deutlich getroffen.
Das Argument der Optimisten: Singapur als Vermögenszentrum
Die Befürworter stützen sich auf eine langfristige Entwicklung. Singapur festigt seine Rolle als globaler Finanz- und vor allem Vermögensverwaltungsplatz, und das stärkt direkt die Gewinne der drei Banken. Yiping Liao von Franklin Templeton erwartet, dass die Zinsmargen in den kommenden Quartalen ihren Tiefpunkt erreichen und die Erträge außerhalb des Zinsgeschäfts vom Zustrom von Vermögen nach Singapur profitieren.

Joanna Cheah von Jefferies nennt den Rückgang eine gute Kaufgelegenheit für langfristige Anleger. Der Zufluss an neuem Geld und die verwalteten Vermögen entwickelten sich gesund und seien womöglich bessere Indikatoren für die Dynamik der Geschäftsmodelle als der Kurs. Auch das Kreditwachstum bleibe robust.
Bewertungen gesunken
Durch die Kursverluste sind die Banken günstiger geworden. DBS, die größte Bank des Landes, wird laut Bloomberg mit dem 2,9-Fachen bewertet, nach 3,1 im September-Hoch. Bloomberg beschreibt die Kennzahl als Kurs-Buchwert-Verhältnis bezogen auf Gewinne der Zukunft, die Angabe ist im Original nicht ganz eindeutig.
Macquarie-Analyst Jayden Vantarakis rät, den Rückgang als Gelegenheit zum Wiedereinstieg zu nutzen. Der Handelsertrag der Banken dürfte in diesem Quartal stärker unter Druck stehen. Anleger dürften sich aber eher auf die Erträge aus der Vermögensverwaltung und den Ausblick für den Zinsüberschuss in einem Umfeld steigender Zinsen konzentrieren.

Warnungen bleiben
Die Risiken sind nicht ausgeräumt. Die Sorge um hohe Anleiherenditen besteht fort. Am Mittwoch hat höher als erwartet ausgefallene US-Inflation Wetten auf aggressivere Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed angeheizt. Steigende Langfristzinsen können laut JPMorgan zu hohen Bewertungsverlusten in den Handelsbüchern der Banken führen und die Kapitalaktivität belasten. Citigroup-Analyst Yong Hong Tan warnt, dass die Prognose für Gebühren in der Vermögensverwaltung schwächer ausfallen könnte, wenn die Risikoscheu anhält.
Wie groß der Schaden tatsächlich ist, zeigt sich erst mit den Zahlen zum dritten Quartal, die in den kommenden Wochen erscheinen.
Einordnung für Anleger
Die Lage ist zweigeteilt. Kurzfristig stehen die Banken unter Druck, weil steigende Zinsen ihre Anleihe-Portfolios belasten und die Stimmung belastet ist. Langfristig profitieren sie von einem Trend, der unabhängig vom Zinszyklus läuft: Vermögen wandert nach Singapur, und das stärkt Gebühreneinnahmen und Einlagen.
Eine „Buy the Dip“-Empfehlung ist keine Garantie. Alle drei Banken hatten vor dem Ausverkauf kräftig zugelegt, es handelt sich also auch um eine Korrektur nach einer starken Rally. Wer erwägt, einzusteigen, sollte die Zahlen im Oktober und November abwarten, vor allem Handelsertrag, Vermögensverwaltungsgebühren und Zinsmarge. Und er sollte wissen, dass die Ansicht der Analysten die Wette auf ein Ende des Zinsanstiegs enthält, die sich nicht ohne Weiteres sicher treffen lässt.



