02. November, 2026

Politik

G20-Außenminister in Atlanta: Eklat um das Gruppenfoto, Streit über Ukraine und Iran

Beim Vorbereitungstreffen für den G20-Gipfel in Miami lehnen die Europäer ein Foto mit Russlands Außenminister Lawrow ab. Für Märkte zählt vor allem, was zu Sanktionen, Öl und Hormus gesagt wurde und was nicht.

G20-Außenminister in Atlanta: Eklat um das Gruppenfoto, Streit über Ukraine und Iran
Die Europäer weigern sich, mit Lawrow zu posieren, das Treffen der G20-Außenminister endet ohne Fortschritt bei der Ukraine.

Treffen beginnt mit einem Eklat

Das Treffen der G20-Außenminister am Freitag in Atlanta begann mit Streit. Es gab kein gemeinsames Gruppenfoto, wahrscheinlich keine gemeinsame Erklärung und keinen Fortschritt im Krieg in der Ukraine. Die Veranstaltung in Georgia gilt als Vorgeschmack auf den Gipfel am 14. Dezember in Miami, zu dem US-Präsident Donald Trump auch Russlands Präsident Wladimir Putin eingeladen hat. Die europäischen Mitglieder verstehen das nicht.

Mehrere europäische Außenminister weigerten sich, mit Lawrow zu posieren, und drohten nach übereinstimmenden US-Medienberichten sogar damit, das Treffen zu verlassen. Gastgeber Marco Rubio verzichtete daraufhin auf das Foto, weil die Kontroverse vom Wesentlichen ablenke. Bundesaußenminister Johann Wadephul hatte erklärt, es werde „in jedem Fall kein Familienfoto“ mit Lawrow geben, es gebe keine „Normalität mit Russland“. Lawrow warf ihm „Familienfoto-Diplomatie“ vor. Wadephul soll zunächst bereit für ein Foto gewesen sein, das berichtet das Handelsblatt.

Lawrow greift an

Zentrales Thema war die Ukraine. Die Europäer stellten sich geschlossen hinter Kiew und forderten Russland auf, auf das Waffenstillstandsangebot von Präsident Wolodymyr Selenskyj einzugehen. Lawrow beklagte, Kiews Haltung habe sich nicht geändert, und das sei „wenig nützlich“. Den Europäern warf er vor, sich in die Friedensverhandlungen einzumischen. Die Einladung Polens nannte er „kontraproduktiv“.

Auch gegenüber den USA fiel er kritisch aus. „In der Praxis sind bislang keine wirklichen Fortschritte in den Beziehungen zu den USA zu erkennen. Man sollte sich keine Illusionen hinsichtlich des Diesel-Deals machen.“ Die Sanktionen dauerten an, die Regierung führe alle Sanktionen der Biden-Zeit fort. Für die Dreiergespräche zwischen der Ukraine, den USA und Russland, die laut Kreml Mitte November in Abu Dhabi weitergehen sollen, seien die Positionen klar.

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Trump näher an Moskau

Lawrows selbstbewusster Auftritt hat einen Hintergrund. Trump ist zuletzt näher an Moskau gerückt. Er schloss einen Diesel-Deal mit Putin, setzte geplante Sanktionen aus und drosselte vorübergehend sogar logistische und geheimdienstliche Hilfe für Kiew, um Druck auszuüben. Polens Außenminister Radosław Sikorski, den die USA eingeladen haben und für den Washington eine ständige G20-Mitgliedschaft beantragt haben soll, kritisierte: „Seit mehr als anderthalb Jahren haben die USA keinen Cent zur Unterstützung der Ukraine geleistet.“ Südafrika wurde dagegen ausgeladen, nachdem es Streit mit Trump gab.

Iran und die Straße von Hormus

Daneben stehen der Krieg der USA und Israels gegen den Iran, US-Zölle und das Vorgehen Chinas im Südchinesischen Meer auf der Agenda. Wadephul plädierte für eine diplomatische Lösung und ein Ende der Blockade der Straße von Hormus, die für die Energieversorgung der Welt wichtig ist. Der Konflikt lasse sich militärisch nicht lösen. Zuletzt hatte es Medienberichte gegeben, wonach die USA gemeinsam mit Israel nach den US-Zwischenwahlen am Dienstag einen neuen Großangriff auf den Iran planen. Fortschritte erwartet in Atlanta niemand.

Ausblick auf Miami

Für den Gipfel am 14. Dezember sind Trump, Kanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Chinas Staatschef Xi Jinping angekündigt. Ob Putin kommt, ist offen. Gegen ihn liegt ein internationaler Haftbefehl wegen russischer Kriegsverbrechen vor, zuletzt reiste er 2019 persönlich zu einem Gipfel. Russland ist formal weiterhin G20-Mitglied. Geht es nach Trump, wäre der Kreml bald wieder ein willkommenes Mitglied.

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Einordnung für Anleger

Das Treffen ist ein politisches Ereignis ohne Beschlüsse, aber für Märkte relevant. Drei Linien laufen zusammen. Erstens bleiben die Sanktionen gegen Russland nach Lawrows Worten in Kraft, die US-Regierung hat neue aber ausgesetzt. Das wirkt auf den Ölpreis, der ohnehin über 100 Dollar liegt. Zweitens ist ein möglicher neuer Angriff auf den Iran nach den Wahlen ein Risiko für Hormus und damit für Öl und Inflation. Drittens zeigen die Spannungen zwischen den USA und Europa, wie unsicher politische Rahmenbedingungen für Handel und Energie bleiben.

Eine Prognose zu Märkten enthält die Meldung nicht. Wer in Energie oder zyklische Werte investiert ist, sollte die US-Zwischenwahlen am Dienstag, die Gespräche in Abu Dhabi Mitte November und Signale zu Sanktionen und Iran beobachten. Dies ist keine Anlageberatung.