Stabile Beiträge für 2027
Das Spargesetz für die Krankenkassen vom Sommer hat sein Ziel erreicht, sagt Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) der WirtschaftsWoche.
„Die durchschnittlichen Zusatzbeiträge der gesetzlichen Krankenkassen bleiben im Jahr 2027 stabil.“ Für die Zeit danach formuliert er ein weiteres Ziel: „Auch mittelfristig müssen die Beiträge stabil bleiben, ja sinken.“ Das sei ein wichtiges Zeichen für Bürger und Arbeitgeber.
Was der Schätzerkreis ermittelt hat
Am Mittwoch hat der Schätzerkreis, ein Gremium von Experten, den Finanzbedarf der rund 90 gesetzlichen Krankenkassen für das kommende Jahr veranschlagt. Sie versichern zusammen 74 Millionen Menschen. Bleibt der Finanzbedarf auf dem Niveau von 2026, liegt der durchschnittliche Beitragssatz erneut bei offiziell 17,5 Prozent des Bruttolohns. Er setzt sich zusammen aus dem allgemeinen Satz von 14,6 Prozent und dem Zusatzbeitrag, den die Kassen je nach Bedarf erheben. Aus der Differenz ergibt sich ein durchschnittlicher Zusatzbeitrag von 2,9 Prozent.

Die offizielle Zahl liegt unter der Realität
Schon 2026 lag der tatsächliche Durchschnittsbeitrag mit 17,7 Prozent um 0,2 Punkte über dem offiziellen Wert. Die Kassen erklären das damit, dass die offizielle Zahl nicht berücksichtigt, dass sie ihre Reserven auffüllen müssen. Für Versicherte heißt das: Die amtliche Stabilität sagt nicht zwingend, dass ihre eigene Kasse den Beitrag unverändert lässt.

18 Milliarden Euro Einsparungen
Grundlage ist das Beitragssatzstabilisierungsgesetz, das Linnemanns Vorgängerin Nina Warken (CDU) noch durchgebracht hat. Es begrenzt Leistungen und verlangt manchen Versicherten höhere Beiträge. Für 2027 sollen damit rund 18 Milliarden Euro gespart werden. Das Gesetz habe erreicht, dass die Lohnnebenkosten nicht weiter steigen, lobt Linnemann.
Offene Frage: Wie sinken die Beiträge?
Wie er die Beiträge und Lohnnebenkosten tatsächlich senken will, sagte der Minister nicht. Sein Ministerium erwartet zum Jahresende Vorschläge einer Expertenkommission für Strukturreformen im Gesundheitswesen. Bis dahin bleibt das Versprechen sinkender Beiträge ohne Plan.
Ein Hinweis auf die Probleme liefert ein Bericht derselben Zeitung zur Pflegeversicherung. Einen Tag nach der Verabschiedung des Pflege-Spargesetzes zeigte sich demnach, dass es nicht reicht: Der Finanzminister gewährte kurzfristig ein weiteres Darlehen von 700 Millionen Euro.

Einordnung
Für Arbeitnehmer und Arbeitgeber ist die Nachricht kurzfristig gut. Beide Seiten tragen die Beiträge je zur Hälfte, ein stabiler Satz heißt also stabile Lohnnebenkosten. Für den Standort zählt das, denn steigende Sozialabgaben drücken Nettolöhne und belasten Unternehmen.
Die Aussicht auf sinkende Beiträge ist dagegen bislang nur eine Absichtserklärung. Das Spargesetz bremst den Anstieg durch Kürzungen und höhere Belastungen, nicht durch Strukturreformen. Ob das auf Dauer trägt, entscheidet sich an den Vorschlägen der Kommission zum Jahresende. Wer mit seinem Nettogehalt für 2027 plant, sollte den Zusatzbeitrag der eigenen Kasse im Blick behalten, denn der kann vom Durchschnitt abweichen, und die Kassen legen ihre Sätze erst später im Jahr fest.

