Nordrhein-Westfalen plant die Errichtung einer gigantischen Abschiebehaftanstalt. Auf einem ehemaligen britischen Militärgelände in Mönchengladbach sollen 140 Haftplätze entstehen. Die Gesamtkosten für das Projekt belaufen sich auf exakt 313,7 Millionen Euro.
Das Vorhaben geht aus offiziellen Dokumenten der Landesregierung hervor, über die zuerst die Bild berichtete. Verantwortlich für die Umsetzung zeichnet das nordrhein-westfälische Integrationsministerium. An dessen Spitze steht seit Januar 2026 Verena Schäffer von den Grünen. Sie übernahm das Amt von ihrer Parteikollegin Josefine Paul.
Die astronomische Gesamtsumme teilt sich in drei massive Einzelposten auf. Allein der reine Bau verschlingt veranschlagte 220 Millionen Euro. Der Erwerb des Areals schlägt mit 38,7 Millionen Euro zu Buche. Für die reine Planung veranschlagt das zuständige Ministerium weitere 55 Millionen Euro.

Bislang existiert im Bundesland lediglich eine einzige zentrale Einrichtung dieser Art. Die bestehende Anstalt im westfälischen Büren verfügt über exakt 175 Haftplätze. Mit den zusätzlichen Kapazitäten in Mönchengladbach erhöht sich die Gesamtkapazität des bevölkerungsreichsten Bundeslandes um achtzig Prozent auf insgesamt 315 Plätze.
Der Beschluss für die zweite Anstalt fiel direkt nach dem islamistischen Terroranschlag von Solingen im August 2024. Damals schnürten die regierenden Parteien der schwarz-grünen Koalition ein weitreichendes Sicherheitspaket. Der Ausbau der Abschiebehaft war das zentrale Kernstück dieser Vereinbarung.
Die Umsetzung des Projekts stöht jedoch auf erhebliche bürokratische Hürden. Das auserkorene Areal im ehemaligen JHQ Mönchengladbach gehört bislang dem Bund. Der offizielle Grundstückskauf ist noch keineswegs in trockenen Tüchern.
Mehrere Instanzen müssen dem Verkauf der Liegenschaft erst noch zustimmen. Sowohl der Bundestag als auch der Bundesrat sowie das Bundesfinanzministerium stehen als Entscheidungsträger aus. Dieser politische Instanzenweg kann bis zu einem halben Jahr in Anspruch nehmen.
Einen konkreten Termin für den ersten Spatenstich oder eine Inbetriebnahme kann das zuständige Ministerium daher nicht nennen. Die zeitliche Perspektive bleibt völlig ungewiss. Das Großprojekt hängt im bürokratischen Schwebezustand fest.
Kritiker aus der Opposition stellen die Wirtschaftlichkeit der enormen Investition offen infrage. Pro neuem Haftplatz errechnen sich Baukosten von weit über zwei Millionen Euro. Solche Dimensionen sprengen jeden normalen haushaltspolitischen Rahmen.
Die finanzielle Belastung für die öffentlichen Kassen wächst ohnehin beständig. Während andere staatliche Bereiche drastische Sparmaßnahmen verkraften müssen, fließt hier dreistelliger Millionenaufwand in Beton und Sicherheitszäune. Das Projekt polarisiert die politische Landschaft massiv.
Die beteiligten Regierungsparteien müssen sich unbequeme Fragen zur tatsächlichen Umsetzung gefallen lassen. Großspurige Ankündigungen prallen auf die harte Realität föderaler Zuständigkeiten. Der Baukomplex droht zum Millionengrab zu verkommen.



