Die Zapfsäulen in Deutschland verlangen Autofahrern astronomische Summen ab. Ein Liter Benzin kratzt an Rekordmarken, Diesel treibt Pendler in den finanziellen Ruin. Die Weltmarktpreise explodieren, während die Ölkonzerne ihre Gewinnspannen im Sekundentakt maximieren.
In dieser angespannten Lage fordert die Politik gebetsmühlenartig Durchgreifen und Entlastungen. Doch ein staatliches Organ bleibt von jeglicher Hektik verschont. Das Bundeskartellamt widmet sich seit Jahrzehnten den wirklich wichtigen Aufgaben im Land.
Die tägliche Aktenkalkulation im Bonner Amtssitz
Niemand weiß exakt, womit die hochbezahlten Beamten im Bonner Behördenbunker ihren Arbeitstag füllen. Wenn Konzerne hunderte Millionen Euro extra einstreichen, schaut die Behörde tiefenentspannt zu. Der Markt regelt das schon, so die unerschütterliche Grundüberzeugung der Aktenschieber.
Vielleicht wird gerade geprüft, ob der Kaffeekonsum in der Abteilung Wettbewerbsverzerrung wettbewerbsschädlich ist. Die akribische Erforschung des deutschen Kaugummimarktes füllt jedenfalls ganze Schreibtische. Für die Abzocke an den Zapfsäulen bleibt schlicht keine Kapazität übrig.
Die Tankstellenkonzerne dürfen munter ungeniert an der Preisschraube drehen. Das Kartellamt beobachtet das Treiben mit der Begeisterung von Vogelbeobachtern. Wenn die Preise steigen, schreiben die Experten fleißig bunte Berichte für die Schublade.
Der große Wettstreit um den längsten Urlaubsschein
Kritiker werfen der Institution vor, eine reine Beschäftigungstherapie für Staatsbedienstete zu sein. Sobald ein Monopolist gigantische Übererträge erwirtschaftet, prüfen die Juristen erst einmal die Aktenlage. Diese Prüfung dauert erfahrungsgemäß länger als die gesamte Lebensdauer eines Verbrennungsmotors.
Effektive Markt-Eingriffe stören die sommerliche Ruhe im Haus gewaltig. Schließlich will niemand riskieren, dass ein Konzernboss wegen unfairen Verhaltens kalte Füße bekommt. Der deutsche Verbraucher zahlt die Zeche, während Bonn im Bürokratiedornröschenschlaf verweilt.

Politischer Druck verpufft an den massiven Betonwänden der Behörde völlig wirkungslos. Bundeskanzler Friedrich Merz kündigt zwar vollmundig Reformen an, doch am Amt prallt jede Forderung ab. Die Schutztruppe der Monopole funktioniert absolut fehlerfrei und geräuschlos.
Das ewige Ritual der folgenlosen Mahnungen
Gelegentlich ringt sich das Amt zu einer offiziellen Rüge durch, die niemanden kratzt. Die Konzerne zahlen keine Bußgelder, sondern schmunzeln leise über die zahnlosen Tiger. Ein Kartellamt ohne Biss bleibt das beste Geschenk für jeden Ölmulti.
Vielleicht entdecken die Beamten ja im nächsten Jahrzehnt, dass Absprachen an Tankstellen illegal sind. Bis dahin brennt der Spritpreis munter weiter Rekordlöcher in die Taschen der arbeitenden Bevölkerung. Das Amt bleibt derweil ein sicherer Hafen für schlafmützige Marktwächter.
Wer das Kartellamt sucht, findet garantiert keine wettbewerbspolitischen Helden. Man findet gut gelaunte Verwalter des Stillstands, die den Feierabend herbeisehnen. Die freie Marktwirtschaft dankt es ihnen mit kreativen Preissprüngen.

