In Italien hat die Ministerpräsidentin Giorgia Meloni mit ihrer Partei Fratelli d’Italia einen bemerkenswerten Sieg bei der Europawahl eingefahren. Nach ersten Prognosen des Fernsehsenders Rai erreichte die größte Regierungspartei am späten Sonntagabend zwischen 26 und 30 Prozent der Stimmen. Verglichen mit dem Ergebnis der Europawahl 2019 bedeutet dies eine beachtliche Steigerung von über 20 Punkten. Mit diesem Ergebnis übertrifft sie sowohl die anderen rechten als auch linken politischen Kräfte.
Den Prognosen zufolge landete ein linkes Bündnis um die sozialdemokratische Partei PD unter der Oppositionsführerin Elly Schlein mit 21 bis 25 Prozent auf dem zweiten Platz. Meloni, die auch als Spitzenkandidatin ihrer Partei antrat, plant, ihre Position als Ministerpräsidentin in Rom beizubehalten und nicht ins Europaparlament zu wechseln. Seit Oktober 2022 führt die 47-Jährige eine Dreier-Koalition von Rechtsparteien an, deren Einfluss auf europäischer Ebene durch dieses Wahlergebnis erheblich gestärkt wird. Dies könnte auch Auswirkungen darauf haben, ob Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) ihr Amt behält.
Die Fratelli d'Italia, die bei der Europawahl 2019 noch in der Opposition waren und lediglich 6,4 Prozent erreichten, haben damit ihre Position als dominierende Kraft der rechten Koalition weiter festigen können. Die beiden kleineren Koalitionspartner, Forza Italia und Lega, kamen laut Prognosen auf 8,5 bis 10,5 Prozent beziehungsweise 8 bis 10 Prozent der Stimmen.
Auch im Vergleich zur jüngsten Parlamentswahl, bei der die Fratelli d'Italia 26 Prozent erzielten, konnte die Partei ihr Ergebnis verbessern. Die linkspopulistische Bewegung Cinque Stelle unter Ex-Ministerpräsident Giuseppe Conte erreichte den Prognosen zufolge 10 bis 14 Prozent. Das links-grüne Bündnis Alleanza Verdi Sinistra erzielte demnach 5 bis 7 Prozent.
Insgesamt waren in Italien 47 Millionen Menschen wahlberechtigt. Das Land entsendet 76 Abgeordnete ins Europaparlament, und Meloni hat im Wahlkampf klar gemacht, dass Italien in der künftigen EU-Kommission einen Spitzenposten anstrebt. Italien war das letzte der 27 EU-Mitgliedsstaaten, in dem die Wahllokale bis 23 Uhr geöffnet blieben. Das vorläufige amtliche Endergebnis wird für Montagvormittag erwartet.