Delivery Hero plant, seine stark expandierende Marke Talabat im vierten Quartal an die Börse in Dubai zu bringen. Wie das im MDax notierte Unternehmen aus Berlin mitteilte, wird Delivery Hero die Kontrolle über Talabat behalten. Die Bekanntgabe der Börsenpläne und die Halbjahreszahlen sorgten für eine positive Reaktion an den Märkten. Die Aktie legte im frühen Handel zeitweise um rund neun Prozent zu, bevor sie am Vormittag bei einem Plus von rund drei Prozent auf 24,19 Euro notierte.
Talabat, eine Marke von Delivery Hero, ist in den Vereinigten Arabischen Emiraten, dem Nahen Osten und Nordafrika aktiv und liefert sowohl Essen als auch Alltagsgegenstände. Das Geschäft verzeichnete im vergangenen Jahr einen Bruttowarenwert (GMV) von über fünf Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr 2024 stieg der GMV um über 20 Prozent. Die Ebitda-Marge auf Talabat-Ebene betrug mehr als sechs Prozent, deutlich höher als die auf Konzernebene erreichten ein Prozent.
RBC-Analystin Wassachon Udomsilpa hebt hervor, dass das Geschäft in der Mena-Region weiter wächst, was maßgeblich zum Anstieg des Bruttowarenwerts beitrug. Im Gegensatz dazu enttäuschten die asiatischen Märkte, insbesondere Südkorea, wo starker Wettbewerb durch Unternehmen wie Coupang dem CEO Niklas Östberg Kopfzerbrechen bereitet. Dennoch zeigt sich das Management optimistisch aufgrund erster Anzeichen einer Erholung und plant höhere Gebühren von Restaurants zu erheben, die einen Teil ihrer Lieferungen eigenständig durchführen.
Zur Ertragssteigerung prüft der Vorstand um Östberg weitere Preisanpassungen. Neben höherer Provision sollen Verbraucher durch kostenpflichtige Abonnements ermutigt werden, um neue 'Servicegebühren' zu umgehen. Abonnenten könnten dabei öfter und größere Bestellungen aufgeben, was letztlich zu höheren Einnahmen führen soll.
Auch andere Lieferunternehmen wie Uber Eats und Wolt haben neue Gebühren eingeführt, um ihre Dienstleistungen zu monetarisieren, ohne genau zu spezifizieren, wofür Kunden zahlen. Delivery Hero strebt an, das operative Ergebnis vor Sondereffekten im laufenden Jahr auf 725 bis 775 Millionen Euro zu steigern, gegenüber 253,6 Millionen im Vorjahr. Der Bruttowarenwert soll bei konstanten Wechselkursen um sieben bis neun Prozent wachsen. Zudem soll der Segmenteumsatz bereinigt um Wechselkurseffekte um 18 bis 21 Prozent steigen.
Im ersten Halbjahr 2024 stieg der Bruttowarenwert um 9,2 Prozent auf 23,7 Milliarden Euro. Der Segmenteumsatz wuchs um gut 20 Prozent auf 6,04 Milliarden Euro, und das bereinigte Ebitda verbesserte sich von 9,2 Millionen auf 240,5 Millionen Euro. Trotz dieser Fortschritte verzeichnete Delivery Hero weiterhin erhebliche Verluste: In den ersten sechs Monaten des Jahres betrug der Verlust 720 Millionen Euro, gegenüber 772 Millionen im Vorjahreszeitraum.