Warren Buffett, CEO von Berkshire Hathaway, gilt seit über sechs Jahrzehnten als einer der angesehensten Investoren an der Wall Street. Mit einer kumulierten Rendite von über 5.650.000 % der Berkshire Hathaway Class A-Aktien hat sich Buffett den Spitznamen „Orakel von Omaha“ wahrlich verdient.
Investoren, sowohl professionelle als auch private, warten regelmäßig auf Berkshires vierteljährliche Form 13F-Einreichungen, um Einblicke in die Anlageentscheidungen von Buffett und seinen Top-Lieutenants Todd Combs und Ted Weschler zu erhalten. Trotz dieser Einblicke erzählen Berkshires vierteljährliche Betriebsergebnisse oder Form-4-Einreichungen bei der US-Börsenaufsichtsbehörde manchmal eine umfassendere und weniger erfreuliche Geschichte.
Seit nunmehr zwei Jahren war Buffett ein Netto-Verkäufer von Aktien. Dies stellt einen bemerkenswerten Wandel dar, insbesondere da Buffett stets ein Verfechter des amerikanischen Wirtschaftswachstums war. Insbesondere in den letzten Wochen hat Buffett eine aggressive Verkaufsstrategie bei Bank of America-Aktien verfolgt. Zwischen dem 17. Juli und dem 30. August reduzierte sich Berkshires Anteil an Bank of America um etwa 150 Millionen Aktien, was einem Verkaufswert von rund 5,4 Milliarden US-Dollar entspricht.
Diese Verkaufsaktivität sendet ein klares Warnsignal an Wall Street und Investoren. Es deutet darauf hin, dass Buffett derzeit die US-Wirtschaft und den Aktienmarkt kritisch sieht. Dies ist besonders bemerkenswert, da er in der Vergangenheit ein großer Befürworter von Finanzaktien und spezifisch Bank of America war. Berkshires kontinuierlicher Verkaufsdruck positioniert das Unternehmen nun im achten aufeinanderfolgenden Quartal als Netto-Verkäufer von Wertpapieren.
Zwischen dem 1. Oktober 2022 und dem 30. Juni 2024 hat Buffett insgesamt 131,6 Milliarden US-Dollar mehr an Wertpapieren verkauft als gekauft. Der Grund: Stocks sind historisch teuer und Buffett möchte derzeit nicht in einen überhitzten Markt investieren.
Diese Einschätzung bestätigt sich durch das Shiller-Kurs-Gewinn-Verhältnis (Shiller P/E) des S&P 500. Mit einem aktuellen Wert von 35,38 liegt das Shiller P/E mehr als doppelt so hoch wie der historische Durchschnitt von 17,16. Rückblickend zeigen die fünf historischen Gelegenheiten, bei denen das Shiller P/E über 30 lag, dass anschließend erhebliche Marktrückgänge von 20 % bis 89 % stattfanden.
Mit einem gegenwärtigen Barbestand von 276,9 Milliarden US-Dollar steht Berkshire Hathaway gut gerüstet dar. Es bleibt spannend, welches Preisdifferenzierungs-Event Buffett als nächstes anzieht. Historisch gesehen hat Buffett in Zeiten von Panikverkäufen die besten Investments getätigt. Ein Beispiel ist seine Investition in Bank of America während der Finanzkrise.
Der jüngste Ausverkauf von Berkshire Hathaway könnte daher sowohl auf drohendes Unheil als auch auf zukünftige Chancen hinweisen.