Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International äußert scharfe Kritik an den anhaltenden Repressionen gegen die Frauenbewegung im Iran. Auch zwei Jahre nach den landesweiten Protesten und deren blutiger Niederschlagung bleiben den Opfern und ihren Angehörigen laut Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung verwehrt.
Amnesty International bemängelt, dass iranische Staatsbedienstete weiterhin keine juristischen Konsequenzen für ihre Taten zu befürchten haben. Laut Duchrow sollten andere Staaten dringend 'nach dem Weltrechtsprinzip strafrechtliche Ermittlungen zu den von den iranischen Behörden begangenen Verbrechen einleiten'. Zudem fordert sie die Bundesregierung dazu auf, entsprechende Prozesse auch in Deutschland voranzutreiben.
Der Tod der jungen Kurdin Jina Mahsa Amini im Herbst 2022 hatte die schwersten Proteste in der Geschichte der Islamischen Republik ausgelöst. Vor allem junge Menschen gingen monatelang auf die Straßen, um gegen das islamische Herrschaftssystem zu demonstrieren. Amini war von den berüchtigten Sittenwächtern festgenommen worden, weil sie ihr Kopftuch angeblich falsch getragen hatte, und verstarb kurz darauf infolge körperlicher Gewalt nach ihrer Festnahme, wie eine UN-Expertenkommission bestätigte.
Die damalige Regierung unter Präsident Ebrahim Raisi reagierte mit äußerster Härte auf die Proteste. Im Zusammenhang mit den Demonstrationen wurden zehn Männer hingerichtet. Der neue Regierungschef Massud Peseschkian, der im Wahlkampf noch Bürgerrechte und eine bessere Beziehung zwischen Staat und Volk in Aussicht gestellt hatte, führt die Repressionen jedoch fort. Menschenrechtsaktivisten zufolge gehen die Behörden weiterhin gegen Kopftuchverstöße und Proteste vor.