04. Juli, 2026

Politik

VW-Dieselaffäre: Gericht verhandelt über Rolle von Martin Winterkorn

VW-Dieselaffäre: Gericht verhandelt über Rolle von Martin Winterkorn

Fast ein Jahrzehnt nach dem berüchtigten "Dieselgate" kommt die strafrechtliche Aufarbeitung der Rolle des damaligen VW-Konzernchefs Martin Winterkorn ins Rollen. Der 77-Jährige steht vor dem Landgericht Braunschweig und sieht sich Vorwürfen des gewerbsmäßigen Betrugs, der Marktmanipulation und uneidlicher Falschaussage gegenüber. Die Anklage soll heute um 11 Uhr verlesen werden. Doch was kann so ein verspäteter Prozess noch bringen?

Das "Dieselgate" wurde im September 2015 durch Erhebungen von US-Umweltbehörden und Wissenschaftlern ans Licht gebracht. Die Affäre ließ VW in die schwerste Krise seiner Geschichte taumeln und verschlang Milliardenbeträge für juristische Klärungen. Martin Winterkorn trat daraufhin zurück und erklärte, dass sein "Name verbunden ist mit der sogenannten Dieselaffäre", bestritt jedoch stets persönliche Verantwortung. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Anfang 2024 äußerte sich Winterkorn erstmals als Zeuge vor Gericht und bezeichnete die Vorwürfe als "unzutreffend". Diese Kommentare bezogen sich auf die Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen Betrugs und Marktmanipulation. Zudem läuft in Berlin ein weiteres Verfahren wegen Falschaussage im Bundestag.

Das Landgericht Braunschweig hat fast 90 Verhandlungstermine bis September 2025 eingeplant. Trotzdem sind Zweifel an der Durchführung aufgetaucht, da Berichte über Winterkorns Gesundheit andeuten, dass er stark geschwächt ist. Für die Verhandlungen müsste er fast jede Woche von Bayern nach Niedersachsen reisen.

Ob der Prozess nun die schonungslose Aufklärung bringen wird, die Winterkorn 2015 in einem Entschuldigungsvideo versprochen hatte, bleibt abzuwarten. Damals gab er zu, noch keine Antworten auf alle Fragen zu haben. Ob der ehemalige Spitzenmanager in den letzten Jahren neue Erkenntnisse gewonnen hat und diese nun mit dem Gericht teilt, erscheint fraglich.

Bereits existieren Urteile, Bußgelder, und Entschädigungen im Zusammenhang mit der Dieselaffäre. Die genauen Hintergründe und Abläufe bleiben jedoch letztlich im Dunkeln. Auch ein großer Betrugsprozess gegen vier andere Ex-VW-Manager sowie -Ingenieure hat nach dreijähriger Verhandlung bislang keine großen neuen Erkenntnisse geliefert. Ursprünglich sollte auch Martin Winterkorn bei diesem Verfahren ab 2021 auf der Anklagebank sitzen, doch aus gesundheitlichen Gründen wurde sein Fall abgetrennt und wird nun gesondert verhandelt.