Nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen in Venezuela mobilisiert die Opposition weiterhin für einen Machtwechsel und den Rückzug des autoritären Präsidenten Nicolás Maduro. Tausende Gegner der Regierung versammelten sich in der Hauptstadt Caracas und protestierten gegen das ihrer Meinung nach manipulierte Wahlergebnis, das den seit 2013 regierenden Präsidenten als Sieger auszeichnet. Dabei skandierten sie "Wir haben keine Angst" und feierten ihren Präsidentschaftskandidaten Edmundo González Urrutia.
Die Oppositionsführerin María Corina Machado betonte in einer Ansprache vor ihren Anhängern, dass das wahre Wahlergebnis eindeutig und nicht verhandelbar sei. "Das Einzige, über das wir zu verhandeln bereit sind, ist eine friedliche Machtübergabe." Laut Angaben der Opposition verfügt diese über detaillierte Wahlergebnisse aus mehr als 80 Prozent der Stimmbezirke. Danach soll González 67 Prozent der Stimmen erhalten haben, während Maduro nur auf 30 Prozent kommt.
Trotzdem erklärte die regierungstreue Wahlbehörde Maduro nach der Wahl offiziell zum Sieger. Die Opposition erhebt schwere Vorwürfe der Wahlfälschung gegen die Regierung. Auch internationale Stimmen, darunter die USA, die EU und mehrere lateinamerikanische Länder, zweifeln das offizielle Ergebnis an. Die Organisation Amerikanischer Staaten erkennt Maduros Wiederwahl nicht an und plant eine Dringlichkeitssitzung zur Lage in Venezuela.
Vor dem Hintergrund der umstrittenen Wahlergebnisse drängten US-Präsident Joe Biden und Brasiliens Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva auf Transparenz. Sie fordern, dass die venezolanische Wahlbehörde die detaillierten Ergebnisse veröffentlichen müsse. Laut dem Weißen Haus sind beide Präsidenten der Ansicht, dass das Wahlergebnis weit über Venezuela hinausgehende Bedeutung für die Demokratie hat.
Die regierungsunabhängige Organisation Foro Penal berichtet von mindestens elf Todesopfern bei den Protesten, darunter zwei Jugendliche. Zudem sei ein Polizist ums Leben gekommen. Generalstaatsanwalt Tarek William Saab informierte, dass landesweit 749 Demonstranten festgenommen wurden, denen unter anderem Terrorismus und Aufstachelung zum Hass vorgeworfen wird.
Präsident Maduro kündigte infolgedessen eine Sicherheitsoperation an, bei der Soldaten und Polizisten gegen gewaltbereite Gruppen vorgehen sollen. Er beschuldigte die Opposition und die US-Regierung, einen Umsturz zu planen. "Die Oligarchie erträgt das Wahlergebnis nicht. Aber der Faschismus kommt in Venezuela nicht durch," so Maduro.
Der UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk zeigte sich besorgt über die Berichte von unverhältnismäßiger Gewaltanwendung durch Sicherheitskräfte und regierungsfreundliche bewaffnete Gruppen. Er fordert die venezolanische Regierung auf, das Recht der Bürger auf freie Versammlung und friedlichen Protest zu respektieren.
Venezuela steckt seit Jahren in einer schweren politischen und wirtschaftlichen Krise. Über 80 Prozent der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze. Das Land, einst wohlhabend dank seiner Erdölvorkommen, leidet unter Stromausfällen sowie einem Mangel an Benzin, Gas und Medikamenten. Mehr als sieben Millionen Venezolaner haben das Land in den letzten zehn Jahren aufgrund von Armut und Gewalt verlassen.