10. Juli, 2026

Politik

Ukraine und China: Diplomatische Rettungsanker im Wirbelsturm des Krieges

Ukraine und China: Diplomatische Rettungsanker im Wirbelsturm des Krieges

Kiews oberster Diplomat traf am Mittwoch auf Chinas Außenminister zu Gesprächen, die ein Zeichen für Kiews gesteigertes Interesse an einer diplomatischen Lösung des Krieges mit Russland setzen sollen. Insbesondere soll Peking eine zentralere Rolle in diesen Bemühungen übernehmen.

Dmytro Kuleba, der ukrainische Außenminister, äußerte nach seinem Treffen mit Wang Yi, dem chinesischen Amtskollegen, in der Stadt Guangzhou sein Vertrauen in Chinas strategisches Interesse an einem gerechten Frieden in der Ukraine. „Chinas Rolle als globale Friedenskraft ist wichtig“, betonte Kuleba.

Jegliche Verhandlungen mit Russland seien jedoch an Bedingungen geknüpft, fügte er hinzu. Kuleba machte deutlich, dass die Ukraine nur dann mit Russland verhandeln werde, wenn Moskau bereit sei, dies in gutem Glauben zu tun. Dies sei derzeit nicht der Fall.

China nutzt Kulebas Besuch geschickt, um seine Ambitionen zu untermauern, eine bedeutendere Rolle bei globalen Sicherheitsherausforderungen zu spielen und den westlichen Vorwürfen entgegenzutreten, Peking sei Moskau zu nahe.

Laut Wang Yi ist China fest entschlossen, eine politische Lösung für die Krise zu finden. Zwar sei der Zeitpunkt noch nicht reif, aber Moskau und Kiew hätten „Signale ihrer Bereitschaft zu Verhandlungen in unterschiedlichem Ausmaß“ gesendet, wie aus einer Erklärung des chinesischen Außenministeriums hervorgeht.

Der Besuch von Kuleba in China kommt zu einem Zeitpunkt, wo die Ukraine zunehmend Schwierigkeiten auf den Schlachtfeldern und Unsicherheiten hinsichtlich der westlichen Unterstützung verspürt. Während Russland und die Ukraine im Frühjahr 2022 kurzzeitig Friedensgespräche führten, scheiterten diese schnell an kritischen Punkten.

Kremlsprecher Dmitri Peskow zieh Kulebas Offenheit für Verhandlungen als im Einklang mit der russischen Position und betonte, Russland habe Gespräche nie abgelehnt. Ukrainische und westliche Offizielle dagegen weisen die Vorstellung, Russland sei zu ehrlichen Friedensgesprächen bereit, vehement zurück. Sie interpretieren die häufigen Verhandlungsbotschaften aus Moskau als Propaganda, die die eigentliche Absicht, die Ukraine zur Kapitulation zu zwingen, verschleiern soll.

Präsident Wladimir Putin stellt als Bedingung für ein Waffenstillstandsabkommen, dass die Ukraine vier von Russland teils kontrollierte Frontregionen aufgibt und sich verpflichtet, niemals der NATO beizutreten – Forderungen, die für Kiew unannehmbar sind.

Die Ukraine strebt nach vollständiger Kontrolle über ihr Territorium und einem NATO-Beitritt, was für Moskau inakzeptabel ist. Chinas früherer Versuch, zwischen Russland und der Ukraine zu vermitteln, ein 2023 vorgelegter 12-Punkte-Plan, wurde von europäischen Führungskräften schnell abgelehnt. China hatte sich seitdem aus öffentlichen Versuchen, den Krieg zu beeinflussen, zurückgezogen.

Derweil erkennt man in Kiew zunehmend, dass Friedensgespräche ohne Chinas Beteiligung wenig sinnvoll wären. China könne Russland zu Verhandlungen drängen, so die Einschätzung vieler Experten. Alexander Gabuev vom Carnegie Russia Eurasia Center betont zudem Chinas wirtschaftlichen Hebel gegenüber Moskau, den es theoretisch nutzen könne.

Die Ukraine möchte die Friedensgespräche beschleunigen, nicht zuletzt wegen der Aussicht auf einen möglichen Wahlsieg von Donald Trump im Herbst, der befürchtet wird, ein Friedensabkommen zu forcieren, das Russland Vorteile verschaffen könnte.