Die Ukraine setzt bereits jetzt, mitten im Sommer, alles daran, sich auf den kommenden Winter vorzubereiten und eine größere Energiekrise zu verhindern. Dies betonte Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache aus Charkiw, einer Stadt, die fortwährend Ziel russischer Angriffe ist. Bei seinem Besuch in Charkiw führte er ein Treffen, um Sicherheits- und Energiefragen zu erörtern, denn die Energieversorgung bleibt einer der Hauptaspekte. Ein bedeutender Anteil der russischen Luft- und Raketenangriffe zielte auf die Zerstörung der ukrainischen Infrastruktur, insbesondere der Energieversorgung. Trotz der Bemühungen von Reparaturtrupps bleibt die Stromversorgung in vielen Teilen der Ukraine unterbrochen. Selenskyj erklärte, dass klare Pläne für die schrittweise Behebung des Stromdefizits bestehen und man jetzt – während der Sommermonate – die Vorbereitungen auf den Wintereinbruch treffe. Um die Energieversorgung zu sichern, werden zudem die Flugabwehr-Systeme weiterentwickelt. Oberbefehlshaber Olexander Syrskyj und die zuständigen Kommandeure sollen eine aktualisierte Struktur und konkrete Anforderungen an internationale Partner vorlegen, um bis Jahresende die notwendigen Ressourcen zu erhalten. Der ukrainische Präsident appellierte erneut an die westlichen Partner, weitere Flugabwehr-Systeme bereitzustellen, um einen effektiven Schutzschirm gegen die anhaltenden russischen Angriffe aufzubauen. Darüber hinaus wird weiterhin auf die Lieferung von Kampfflugzeugen vom Typ F-16 gewartet. Diese, so der Luftfahrt-Experte Anatolij Chraptschinski, könnten erheblich zur Sicherung des Luftraums beitragen. Schon ein Geschwader F-16, nach NATO-Standard bestehend aus 18 bis 22 Maschinen, biete zahlreiche Möglichkeiten, den ukrainischen Luftraum grundlegend zu schützen. Chraptschinski erwartet, dass mit dem Einsatz der ersten F-16 die Zahl der russischen Raketenangriffe signifikant zurückgehe, da russische Flugzeuge vermehrt Vorsicht walten lassen würden. Er geht nicht von Luftkämpfen aus, sondern sieht vorrangig die Absicherung des ukrainischen Luftraums vor Raketenangriffen als Ziel. Die F-16 sollen auf ukrainischen Militärflugplätzen sicher stationiert werden, geschützt durch bestehende Flugabwehr-Systeme. Die ersten F-16 sollen bald eintreffen, bereitgestellt von den Niederlanden und Dänemark, mit weiterer Unterstützung durch Belgien und Norwegen. Ukrainische Piloten wurden bereits an den Maschinen ausgebildet. Die genauen Ankunftszeiten der Jets bleiben jedoch militärisch vertraulich. Daneben erhielt die Ukraine acht weitere Leopard-Panzer aus Deutschland und Dänemark, darunter auch zwei Bergepanzer und größere Munitionsmengen für den Flakpanzer Gepard. Zusätzlich erhält die Ukraine ein Soforthilfepaket aus den USA im Umfang von 200 Millionen Dollar, welches Raketen für Flugabwehr- und Artilleriesysteme sowie Panzerabwehrwaffen umfasst. Ein weiteres umfangreiches Hilfspaket im Wert von 1,5 Milliarden Dollar befindet sich in Vorbereitung.
Politik
Ukraine bereitet sich auf den Winter vor: Energieversorgung und militärische Unterstützung im Fokus