Die jüngsten Entwicklungen im russischen Grenzgebiet Kursk haben nun erste Stellungnahmen aus Kiew hervorgerufen. Im Zuge einer abendlichen Videobotschaft erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj, dass Russland die Konsequenzen seines eigenen Handelns spüren müsse. Bekanntlich hat das Land den Krieg in die Ukraine getragen, und die Ukraine verfolge das Ziel, einen gerechten Frieden so schnell wie möglich zu erreichen.
Diesbezüglich äußerte sich auch Mychajlo Podoljak, ein Berater im Büro des ukrainischen Präsidenten, zu den internationalen Reaktionen auf den Angriff in Kursk. Laut Podoljak seien diese Reaktionen 'ruhig, ausgewogen und objektiv' und entsprächen den Grundsätzen des internationalen Rechts und des Verteidigungskrieges. Die Europäische Union hatte zuvor anerkannt, dass die Ukraine das Recht habe, sich auch auf dem Territorium des Aggressors zu verteidigen.
Podoljak hob hervor, dass das Undenkbare eingetreten sei und die ehemals gefürchtete russische Brutalität nun gegen Russland selbst gewendet werde. Er verwies darauf, dass ein erheblicher Teil der internationalen Gemeinschaft Russland als legitimes Ziel für militärische Operationen betrachte. Die Ukraine kämpfe nicht nur gegen die Besatzungsarmee, sondern habe auch Fortschritte im Kampf gegen prorussische Sympathien und Ängste in westlichen Ländern erzielt.
Dieser erste Einmarsch einer ausländischen Armee seit Ende des Zweiten Weltkriegs solle zeigen, dass Russland verwundbar sei, erklärte Podoljak in einer Fernsehsendung. Ziel sei es zudem, die Verhandlungsposition der Ukraine zu stärken, auch wenn die Ergebnisse im Gebiet Kursk vorerst unklar bleiben.
Präsident Selenskyj stellte sich demonstrativ hinter die ukrainischen Truppen und betonte deren Fähigkeit, ihre Ziele zu erreichen. Der oberkommandierende General Olexander Syrskyj habe ihn über die neuesten Entwicklungen informiert, ohne jedoch detaillierte Angaben zu machen. Ein veröffentlichtes Foto zeigte Syrskyj im Aufmarschgebiet, vermutlich nahe der Grenze in Sumy, von wo aus die ukrainischen Soldaten das russische Gebiet Kursk betreten hatten.
Während die Kämpfe in Kursk andauern, berichten russische Militärblogger, dass ukrainische Truppen ihre Stellungen teilweise festigen konnten. Kremlchef Wladimir Putin sprach von einer großen Provokation der Ukraine. Laut den Angaben des russischen Militärs, die unabhängig nicht überprüfbar sind, seien bereits Hunderte ukrainische Soldaten getötet oder verletzt und zahlreiche Panzer und andere Militärtechniken zerstört worden.