13. September, 2026

Unternehmen

United Internet, 1&1 und IONOS bauen 800 Stellen ab, Anleger reagieren dennoch nervös

Zwei parallele Sparprogramme sollen den Konzern effizienter machen. Trotz unveränderter operativer Ziele geraten alle drei Aktien wegen der Einmalkosten unter Druck.

United Internet, 1&1 und IONOS bauen 800 Stellen ab, Anleger reagieren dennoch nervös
United Internet lässt bei 1&1 und IONOS rund 800 Stellen abbauen, die Aktien geraten trotz bestätigter Ziele unter Druck.

Zwei Konzerntöchter bauen gleichzeitig Stellen ab

Der United Internet-Konzern hat bei seinen Töchtern 1&1 und IONOS Sparprogramme mit Stellenabbau auf den Weg gebracht. Insgesamt sollen bei den beiden Unternehmen rund 800 Arbeitsplätze wegfallen, teilten die Töchter und der Mutterkonzern am Donnerstag in Montabaur und Karlsruhe mit. 1&1 senkte zudem wegen der anfallenden Einmalkosten den Ausblick für das operative Ergebnis 2026.

Trotz der grundsätzlich langfristig positiven Absicht hinter beiden Programmen, litten vor allem die Aktien von IONOS und United Internet unter den veranschlagten Kosten. Das IONOS-Papier sackte nach Handelsstart am Freitag um 2,6 Prozent auf 33,20 Euro ab, hat damit aber weiterhin ein Kursplus von rund einem Viertel seit Jahresbeginn vorzuweisen. Bei der Mutter United Internet fiel der Kurs um 2,2 Prozent auf 27,25 Euro. Im weiteren Handelsverlauf verschärfte sich die Korrektur sogar noch, IONOS gab via Xetra zeitweise 3,87 Prozent auf 32,78 Euro nach und kehrte damit an sein Vortagestief zurück, während United Internet um 2,51 Prozent auf 27,16 Euro nachgab.

United Internet zahlt für den Umbau seiner beiden Töchter

Für United Internet ergeben sich aus den beiden Programmen insgesamt einmalige Umbaukosten von etwa 95 Millionen Euro, die sich im Geschäftsjahr 2026 ergebnisbelastend auswirken werden. Diese Restrukturierungsaufwendungen werden als einmaliger Sondereffekt ausgewiesen und entsprechend bereinigt, sie belasten damit nicht die operative Prognose für das Konzernergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von etwa 1,45 Milliarden Euro. Auch den Rest des Ausblicks ließ United Internet unverändert. Nach Umsetzung der Sparprogramme erwartet der Konzern Kosteneinsparungen von rund 55 Millionen Euro pro Jahr, die in die weitere Unternehmensentwicklung investiert werden sollen.

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Bei 1&1 trifft der Umbau vor allem das Glasfasergeschäft

Bei 1&1 betrifft der Umbau vor allem die Tochter Versatel, die im Konzernverbund unter anderem für das Glasfasergeschäft von Gewerbekunden verantwortlich ist. Organisation, Prozesse und Strukturen sollen verschlankt werden, die Mitarbeiterzahl soll von etwa 1.350 auf rund 1.000 Vollzeitstellen sinken. Das Umbauprogramm kostet den Angaben zufolge in diesem Jahr rund 60 Millionen Euro.

Wegen dieser Kosten erwartet 1&1 statt des bisher anvisierten Ebitda von 800 Millionen nur noch 740 Millionen Euro. Ohne die laut Unternehmensangaben einmaligen Umbauaufwendungen strebe 1&1 weiterhin ein bereinigtes operatives Ergebnis von 800 Millionen Euro an. Nach vollständiger Umsetzung soll das Sparprogramm ab dem Geschäftsjahr 2028 einen jährlichen Ergebnisbeitrag von rund 25 Millionen Euro liefern. Die 1&1-Aktie selbst bewegte sich am Freitagvormittag nur wenig, nachdem der Kurs bereits am Vorabend nachbörslich unter Druck geraten war, weil die veröffentlichte, nicht um Sonderkosten bereinigte Ergebnisprognose formal gesenkt wurde.

IONOS investiert die Einsparungen gezielt in KI und Cloud

Auch der Internetdienstleister IONOS legt ein eigenes Sparprogramm auf. Die Mitarbeiterzahl soll von rund 3.800 auf etwa 3.350 Vollzeitstellen sinken, wofür das Unternehmen rund 35 Millionen Euro an Sonderkosten veranschlagt. Die diesjährige Prognose für das um Sonderposten bereinigte Ebitda von rund 530 Millionen Euro bleibe davon unberührt, hieß es von den Karlsruhern.

Ab 2027 erwartet IONOS Einsparungen bei den laufenden jährlichen Kosten von bis zu 30 Millionen Euro. Bemerkenswert dabei, das Unternehmen will die freigesetzten Mittel nicht einfach nur in die Ergebnisverbesserung fließen lassen, sondern gezielt in die Produktentwicklung im Bereich Künstliche Intelligenz sowie in den Ausbau des Cloudgeschäfts investieren, ein Zeichen dafür, dass IONOS sein Kerngeschäft mit Webseiten- und Server-Hosting strategisch in Richtung wachstumsstärkerer Zukunftsfelder erweitern will.

Michael C. Jakob — Gründer von AlleAktien & Eulerpool
MIT, McKinsey, UBS. 26,8 % Rendite p.a. seit 2010. 120 Mio. EUR Depot. Gründer von AlleAktien (2 Mio.+ Anleger) und Eulerpool Research Systems.

Anleger fokussieren sich zunächst auf die kurzfristigen Kosten

Möglicherweise konzentrieren sich Anleger bei United Internet und IONOS vor allem auf die Kosten, die für den Umbau zunächst anfallen, weniger auf die längerfristig positiven Effekte. Börsianer betonten allerdings, dass die Aufwendungen als einmaliger Sondereffekt in der Bilanz letztlich entsprechend bereinigt würden und nach erfolgreicher Umsetzung positive Ergebnisbeiträge winken dürften.

Ionos bietet vor allem das Hosting von Webseiten und Servern im Netz sowie dazugehörige Dienstleistungen an. Hauptanteilseigner ist der United-Internet-Konzern von Vorstandschef und Mitgründer Ralph Dommermuth mit knapp 64 Prozent der Aktien, während United Internet an 1&1 mit rund 86 Prozent den Hauptteil hält. Für Anleger im gesamten Konzerngeflecht bleibt am Ende die Frage entscheidend, ob sich die aktuell belastenden Einmalkosten tatsächlich wie geplant in den kommenden Jahren als strukturelle Effizienzgewinne auszahlen, insbesondere bei IONOS, wo ein Teil der Einsparungen bewusst in neue Wachstumsfelder wie KI und Cloud reinvestiert werden soll, statt unmittelbar die Marge zu verbessern.