04. Juli, 2026

Politik

Strategisches Tauziehen im Südchinesischen Meer: China, Vietnam und die Philippinen im Fokus

Strategisches Tauziehen im Südchinesischen Meer: China, Vietnam und die Philippinen im Fokus

Die maritimen Spannungen im Südchinesischen Meer betreffen nicht nur die direkten Anrainerstaaten, sondern haben globale Auswirkungen. Alyssa Chen beleuchtet die unterschiedlichen Reaktionen Chinas auf die maritimen Auseinandersetzungen mit den Philippinen und Vietnam.

Die Reaktion Pekings auf Vietnams rapide Landgewinnung in den Spratly-Inseln war bislang auffallend moderat – im Gegensatz zu den zunehmend vehementen Maßnahmen gegen die Philippinen. Obwohl es in den letzten Monaten zu mehreren Zusammenstößen zwischen chinesischen und philippinischen Schiffen kam, gibt es keine dokumentierten Versuche Pekings, die Aktivitäten Vietnams zu unterbinden.

Analysten führen die unterschiedliche Handhabung auf mehrere Faktoren zurück, darunter die politische Beziehung zwischen China und Vietnam, die zurückhaltende Vorgehensweise Vietnams und die enge Allianz zwischen den Philippinen und den USA. Dennoch bleibt ein possibler härterer Kurs Pekings in der Zukunft nicht ausgeschlossen.

Satellitenbilder des Asia Maritime Transparency Initiative zeigen seit 2021 eine beispiellose Geschwindigkeit und Größenordnung der Landgewinnung Vietnams rund um die Inseln und Riffe. Vietnam hat laut Berichten 3 km² neues Land hinzugefügt, weit mehr als in den vorangegangenen 40 Jahren. 2024 könnte zu einem Rekordjahr für das Inselbauprogramm werden.

Obwohl China besorgt über Hanois Schritte ist, hat die wachsende sicherheitspolitische Nähe dazu geführt, dass die maritimen Streitigkeiten in den bilateralen Beziehungen zurückgestuft wurden. Im vergangenen Monat einigten sich die Führungskräfte beider Länder auf eine friedliche Beilegung des Streits durch 'freundliche Konsultationen'.

Die unterschiedlichen Ansätze Chinas gegenüber den Philippinen und Vietnam sind auch auf infrastrukturelle Kooperationen und die strategische Bedeutung von Projekten wie der Belt and Road Initiative zurückzuführen. Während die Philippinen ihre Streitigkeiten internationalisieren und militärische Kooperationen mit den USA und anderen Ländern intensivieren, bevorzugt Vietnam einen leisen diplomatischen Weg.

Beijings Ablehnung des Urteils eines internationalen Tribunals von 2016 zur Überlappung von Ansprüchen im Südchinesischen Meer sorgt weiterhin für Spannungen. Die chinesische Regierung verteidigt ihre eigenen Inselbauprogramme als zielführend und gesetzeskonform, während Analysten die 'Teile und Herrsche'-Taktik als zentrales Element der chinesischen Strategie betrachten.

Schlüsselakteure warnen jedoch, dass ein härterer Kurs gegen Vietnam nicht ausgeschlossen ist, insbesondere wenn substanzielle militärische Kräfte dort regelmäßiger stationiert werden.