Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht sich für die Einführung der Widerspruchslösung bei Organspenden in Deutschland aus. Gemeinsam mit seiner Frau Elke Büdenbender teilt er dabei persönliche Erfahrungen und motiviert zu einer bewussten Auseinandersetzung mit dem Thema.
Steinmeier hebt hervor, dass es inkonsequent sei, Organe aus anderen Ländern anzunehmen, während man im eigenen Land die Widerspruchslösung ablehnt. Er betont die Wichtigkeit, dass verantwortungsbewusste, mündige Bürger eine Entscheidung treffen. „Wir begreifen uns als verantwortungsbewusste, mündige Bürger, deshalb können wir uns auch abverlangen, eine Entscheidung zu treffen“, erläuterte der Bundespräsident im Interview mit dem Magazin "Bunte".
Der Bundespräsident kritisiert, dass die Menschen in Deutschland bisher nicht ausreichend überzeugt werden konnten, sich für oder gegen eine Organspende zu entscheiden. Gleichzeitig profitiere Deutschland durch den Eurotransplant-Verbund von der höheren Spendenbereitschaft im europäischen Ausland.
Steinmeier stellt klar, dass die Organspende weiterhin freiwillig sein muss und niemand zur Spende gezwungen werden soll. Aber er weist auch darauf hin, dass jährlich viele Menschen sterben, die durch verfügbare Organe gerettet werden könnten. Aktuell sind Organentnahmen in Deutschland nur mit ausdrücklicher Zustimmung erlaubt, während in einigen Ländern die Widerspruchslösung praktiziert wird. Ein erster Versuch zur Einführung dieser Regelung scheiterte 2020 im Bundestag. Im Juni stellten mehrere Bundestagsabgeordnete allerdings eine neue fraktionsübergreifende Initiative vor, um diese Regelung doch noch zu etablieren.
Auch Elke Büdenbender spricht aus eigener Erfahrung über die Bedeutung der Organspende. 2010 spendete Steinmeier seiner Frau eine Niere, nachdem sie 1996 nach der Geburt ihrer Tochter Merit einen Totalausfall der Nieren erlitten hatte. Büdenbender beschreibt die Spende als lebensverändernd und betont die Wichtigkeit von Aufklärungsgesprächen, um Menschen zu überzeugen, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen.
Die persönlichen Erlebnisse des Paares sollen dazu beitragen, mehr Menschen für die lebensrettende Bedeutung von Organspenden zu sensibilisieren. Während Steinmeiers Niere mittlerweile „ein Teil“ seiner Frau ist, soll auch die Diskussion um die Widerspruchslösung mehr Raum in der Öffentlichkeit finden.