Die bevorstehenden Regionalwahlen im September lassen keinen Zweifel daran: Die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) wird eine maßgebliche politische Kraft im Osten Deutschlands. Dieses Szenario weckt düstere Erinnerungen an ein erschütterndes Bild aus der deutschen Geschichte – das Foto aus dem Jahr 1992, als etwa 400 Rechtsextremisten im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen ein vier Tage andauerndes Pogrom gegen ein Asylbewerberheim und eine Wohnanlage der vietnamesischen Gemeinde verübten.
Auf dem Foto ist Harald Ewert zu sehen, ein Mann in einem deutschen Fußballtrikot und Jogginghose, dessen Ausdruck von Wildheit und Glassigkeit geprägt ist, während er den Hitlergruß zeigt. Dieses Bild symbolisiert eine Zeit intensiver sozialer Spaltung und Gewalt und zur aktuellen politischen Situation passt es leider allzu gut. Björn Höcke, Führer der AfD in Thüringen, der sich kürzlich zweimal wegen der Verwendung von Nazislogans verantworten musste, verkörpert eine ungebrochene Verbindung zur düstersten Vergangenheit Deutschlands.
Dennoch wäre es zu einfach, das heutige Erscheinungsbild der rechtsextremen Bewegung mit ihren historischen Symbolen gleichzusetzen. Die Gewalttäter von damals unterschieden sich äußerlich kaum von ihren Mitbürgern, und auch die Politiker, die Angriffe auf Minderheiten für restriktivere Asylgesetze nutzten, sahen nicht aus wie stereotypische Neonazis. Es zeigt sich, dass eine Konzentration auf traditionelle Symbole – Parolen und Grüße – nicht ausreicht, um die tieferliegenden Gefahren rechtzeitig zu erkennen.
Die AfD unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht kaum von anderen rechtspopulistischen Parteien in Europa, wie der polnischen PiS, der ungarischen Fidesz oder der griechischen Goldenen Morgenröte. Ihre Wahlerfolge beruhen auf einer toxischen Mischung aus Fremdenfeindlichkeit, Militarismus und Nostalgie. Doch soziale und politischen Auswirkungen dieser Ideologie sind besonders beängstigend in einem Land wie Deutschland, das mit seiner Geschichte keine Wiederholung wünscht.
Deutsche politische Parteien, die sich in vielerlei Hinsicht uneins zeigten, haben sich darauf geeinigt, die AfD zu isolieren und ihren Einfluss zu begrenzen. Ohne diese Einigkeit und Aufmerksamkeit hinsichtlich der Vergangenheit hätte die Partei schon bedeutende politische Macht erlangen können. Es bleibt abzuwarten, wie sich die bevorstehenden Wahlen gestalten werden. Eine leichte Verschiebung der Wählerstimmen könnte den Ausschlag zwischen einer Koalition aus etablierten Zentristen und einer von der extremen Rechten geführten Landesregierung geben.