04. Juli, 2026

Politik

Schwere Zerstörung in Poltawa: Russische Raketen treffen Militärakademie und Krankenhaus

Schwere Zerstörung in Poltawa: Russische Raketen treffen Militärakademie und Krankenhaus

Rettungskräfte des staatlichen Katastrophenschutzes waren bereits vor Ort und suchten verzweifelt nach Überlebenden, als Denys Kliap eintraf. Die Szenerie war erschütternd: Überall lagen Leichenteile, teilweise ohne Gliedmaßen oder Köpfe, so berichtete Kliap.

Zerbrochenes Glas bedeckte den Boden, benachbarte Gebäude wiesen klaffende Löcher auf, wo einst Türen und Fenster waren. Der 26-jährige Leiter von 'Free and Unbreakable', einem freiwilligen Einsatzteam im ostukrainischen Poltawa, war an Entsetzen gewöhnt, doch die Zerstörung vom Dienstag schockierte ihn erneut zutiefst.

Zwischen den Trümmern verstreute Leichen und Krankenhäuser, die bis an ihre Kapazitätsgrenzen überlastet sind: Russische Raketenangriffe haben Poltawa erneut ins Chaos gestürzt. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, dass ballistische Raketen Russlands in supersonischer Geschwindigkeit abgeschossen wurden und binnen Minuten jedes Ziel in der Ukraine erreichen können.

Betroffene Einwohner, darunter Soldat Markiyan, berichteten von einer unzureichenden Warnzeit zwischen dem Erklingen der Sirenen und dem Einschlag der Raketen. Mehr als 50 Menschen verloren ihr Leben, über 200 wurden verletzt. Dies reiht sich in eine Serie tödlicher Angriffe Russlands ein.

Die Luftschutzsirenen heulten selbst noch, als Rettungskräfte am späten Dienstagabend die Einsatzorte sicherten. Bilder zeigen die schwer beschädigten, aber noch stehenden Gebäude der Militärakademie, wo Mobil-Luftabwehreinheiten bereitstanden, um mögliche weitere Bedrohungen abzuwehren.

Zeitweise wurde über ukrainische Medien berichtet, dass Kadetten sich vor der Militärschule versammelt hätten, was von beiden Seiten widersprochen wurde. Verteidigungsminister Dmytro Lazutkin verneinte diese Gerüchte: Die Opfer seien während der Flucht zum Schutzraum getroffen worden.

Kliap hob hervor, dass in den lokalen Krankenhäusern kaum noch Kapazitäten vorhanden seien und sämtliche Ärzte, auch jene im Urlaub, zurückbeordert wurden. Nach den chaotischen ersten Stunden halfen Kliap und sein Team bei der Unterstützung der Bevölkerung, deren Fenster durch die Explosionen zerstört wurden.

'Es war furchterregend', so Kliap, der angab, dass Poltawa ein solches Ausmaß der Zerstörung noch nie erlebt habe. Historisch gesehen sei Poltawa allerdings mit dem Krieg vertraut, was dem Angriff eine besondere Bedeutung verleiht. Die Stadt, die im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört und später wieder aufgebaut wurde, ist heute ein Zentrum der Technologieentwicklung mit rund 450.000 Einwohnern.

Mitfühlende Worte wurden von der ukrainischen First Lady Olena Selenska an die Familien der Opfer gerichtet: 'Russland raubt uns unser wertvollstes Gut, unser Leben.'