Russland hat am Mittwoch zahlreichen Journalisten von The New York Times, The Wall Street Journal und The Washington Post sowie dutzenden weiteren US-Amerikanern die Einreise ins Land dauerhaft untersagt.
Das russische Außenministerium erklärte online, dass insgesamt 92 US-Bürger aufgrund der „russophoben Politik“ der Biden-Administration, inklusive umfassender Sanktionen, ausgeschlossen wurden. Neben den Journalisten umfasst die Liste auch Anwälte, Sicherheitsbeamte, Gesetzgeber, Universitätsprofessoren und Führungskräfte.
Laut einer Übersetzung des Statements betrifft das Verbot „Redakteure und Reporter führender liberal-globalistischer Publikationen, die an der Produktion und Verbreitung von 'Fakes' über Russland und die russischen Streitkräfte sowie an der propagandistischen Unterstützung des von Washington entfesselten 'hybriden Krieges' beteiligt sind“.
Das US-Außenministerium hat auf eine Anfrage zur Stellungnahme nicht sofort reagiert.
Die Liste nennt unter anderem 14 Mitarbeiter des Wall Street Journal, darunter die Chefredakteurin Emma Tucker. Weiterhin wurden fünf Journalisten der New York Times und vier der Washington Post sowie ein politischer Karikaturist vom britischen The Guardian genannt. Die Times konnte bisher nicht unabhängig verifizieren, ob jede genannte Person US-Staatsbürger ist.
Diese Ankündigung intensiviert Präsident Wladimir Putins Angriffe auf die Pressefreiheit und seine Unterdrückung westlicher Journalisten. Anfang des Monats hatte Russland Evan Gershkovich, einen Reporter des Wall Street Journal, im Rahmen eines komplexen Gefangenenaustauschs nach 16 Monaten Haft freigelassen. Herr Gershkovich war auf Grundloser Spionagevorwürfe verhaftet worden.
Das Wall Street Journal und die US-Regierung wiesen die Vorwürfe stets zurück. Gershkovich war in einem geheimen russischen Prozess verurteilt und zu 16 Jahren Haft verurteilt worden, bevor er freigelassen wurde. Auch die US-russische Doppelstaaterin Alsu Kurmasheva, eine Journalistin für Radio Free Europe/Radio Liberty, wurde freigelassen.
Nach der Verhaftung von Gershkovich im März 2023 zogen die meisten westlichen Nachrichtenorganisationen ihre Korrespondenten aus Sicherheitsgründen aus Russland zurück.
Eine Sprecherin des Wall Street Journal kommentierte am Mittwoch: „Das Putin-Regime ist lächerlich konsequent in seinem Totalangriff auf die freie Presse und Wahrheit. Diese lächerliche Liste von Zielpersonen ist keine Ausnahme.“
Vertreter der New York Times und der Washington Post lehnten eine Stellungnahme ab. Bruce D. Brown, Geschäftsführer des Reporters Committee for Freedom of the Press, erklärte: „Dieses Verbot ist nun der neueste Versuch Russlands, seit seiner Invasion in der Ukraine unabhängige Informationen zu unterdrücken. Doch trotz dieser ungerechtfertigten Maßnahmen zur Zielsetzung von Journalisten wird die Medienwelt weiterhin Wege finden, die globale Öffentlichkeit zu informieren.“