10. Juli, 2026

Politik

Politischer Druck auf russische Hochschulen nimmt zu: Repression trifft Studierende und Dozenten

Politischer Druck auf russische Hochschulen nimmt zu: Repression trifft Studierende und Dozenten

Bürgerrechtler warnen vor einem zunehmenden politischen Druck auf russische Universitäten und Hochschulen im Zuge des Angriffskriegs gegen die Ukraine. Die studentische Rechte-Organisation Molnija meldet seit Kriegsbeginn 2022 eine signifikante Zunahme an Zwangsexmatrikulationen. Häufig sind Studierende betroffen, die den Krieg kritisieren oder sich politisch engagieren. Auch Dozenten bleiben von dieser Entwicklung nicht verschont. Eine aktuelle Studie zur Hochschulfreiheit in Russland dokumentiert für das Jahr 2023 zahlreiche Fälle, in denen Dozenten aus politischen Gründen entlassen oder anderweitig bestraft wurden. Verlässliche Zahlen über die genaue Anzahl solcher Hochschulverweise fehlen jedoch. Offiziellen Angaben zufolge sind in Russland rund 4,3 Millionen Studierende an etwa 1.000 Universitäten und Hochschulen eingeschrieben. Diese Hochschulen gelten als besonders empfindliche gesellschaftliche Bereiche. Laut der Journalistin Wera Ryklina, die auf einer Veranstaltung der Deutschen Sacharow-Gesellschaft sprach, spiegelt die gegenwärtige Hochschulpolitik die zukünftige Gesellschaftsvision des russischen Staates unter Kremlchef Wladimir Putin wider. Den Hochschulen wird vermehrt eine Militarisierung und ideologische Indoktrinierung aufgezwungen. Der exilierte russische Soziologe Dmitri Dubrowski berichtet, dass Fächer wie 'Grundlagen der russischen Staatlichkeit' und 'Religionen Russlands' neu eingeführt werden. Geheimdienstoffiziere besetzen zunehmend administrative Positionen an den Universitäten. Zudem beobachten linientreue Studierende und Dozenten aktiv die sozialen Netzwerkkonten ihrer Kommilitonen und Kollegen auf abweichende Meinungen. Ein aktueller Fall stellt die Entlassung des Dozenten Nikolai Rosow dar, der aufgrund einer Denunziation wegen angeblich 'radikalen Westlertums' seinen Posten an der Universität Nowosibirsk verlor. Einige als liberal geltende Fakultäten und Privathochschulen wurden bereits geschlossen. Die Vielfalt der Lehre leidet erheblich unter der Einstufung zahlreicher Dozenten und Organisationen als sogenannte ausländische Agenten. Dies führte im Extremfall dazu, dass akademische Partner wie das Deutsche Historische Institut in Moskau als unerwünscht gebrandmarkt wurden. Häufig werden Studierende, die an nicht genehmigten Demonstrationen teilnehmen – oft unter dem Vorwand des Corona-Schutzes verboten – von den Hochschulen verwiesen. Besonders gefährdet sind dabei sozial oder gewerkschaftlich engagierte sowie journalistisch tätige Studierende. Vor dem Krieg kam es jährlich nur zu einer Handvoll politisch motivierter Exmatrikulationen, doch seit 2022 betraf dies mehrere Dutzend Studierende. Entlassene Studierende stehen häufig ohne Schutz da: Jobmöglichkeiten fehlen, staatliche Stellen verweigern den Kontakt und ihnen droht die Einberufung zum Wehrdienst. Tausende kritische Studierende und Dozenten sind bereits ins Ausland geflüchtet.