06. Juli, 2026

Politik

Pawel Durow in Frankreich festgenommen: Gründer von Telegram im Visier der Ermittler

Pawel Durow in Frankreich festgenommen: Gründer von Telegram im Visier der Ermittler

Der Gründer des populären Messengerdienstes Telegram, Pawel Durow, ist nach seiner Ankunft aus Aserbaidschan am Flughafen Le Bourget in Frankreich festgenommen worden. Dies berichteten die französischen Fernsehsender TF1 und BFMTV sowie weitere Medien unter Berufung auf Polizeiquellen. Die russische Botschaft in Frankreich bestätigte die Festnahme und erklärte, sie habe sich des Falls angenommen. Gegen Durow laufen in Frankreich Vorermittlungen wegen des Verdachts, er habe durch mangelndes Eingreifen bei Telegram und unzureichende Kooperation mit den Behörden im Zusammenhang mit Drogenhandel, Betrug und Kindesmissbrauch möglicherweise eine Mitschuld auf sich geladen. Nach Informationen von TF1 könnte bereits am Sonntag ein formelles Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet werden. Die russische Botschaft in Frankreich habe nach eigenen Angaben umgehend notwendige Schritte eingeleitet, um die Sachlage zu klären, obwohl bisher keine offiziellen Anträge von Durows Vertretern vorliegen. Pawel Durow und sein Bruder Nikolai hatten Telegram gegründet, nachdem sie zuvor das soziale Netzwerk Vk.com ins Leben gerufen hatten—eine Plattform, die oft als russisches Pendant zu Facebook beschrieben wird. In Russland ist Telegram eines der führenden Online-Netzwerke, das auch von Behörden und Politikern intensiv genutzt wird. Im Zuge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine wird der Dienst von beiden Seiten als Kommunikationsmittel eingesetzt. Das Verhältnis von Pawel Durow zur russischen Regierung ist seit jeher angespannt. Nachdem er sich geweigert hatte, Daten von Teilnehmern der ukrainischen Protestbewegung an den russischen Geheimdienst weiterzugeben, wurde er zum Verkauf von Vk.com gezwungen. Bald darauf verließ er Russland. Die Durow-Brüder haben stets betont, die Daten ihrer Nutzerinnen und Nutzer zu schützen. Dieser Grundsatz führte zu wiederholten Konflikten mit den russischen Behörden. Auch im Westen gibt es Kritik an den Telegram-Gründern. Ihnen wird vorgeworfen, nicht entschieden genug gegen Hassrede und Gewaltaufrufe vorzugehen. Allerdings wurden in Zusammenarbeit mit westlichen und russischen Behörden auch Löschaktionen bei islamistischer Terrorpropaganda durchgeführt.