In Israel sind Hunderttausende auf die Straßen gegangen, um ein sofortiges Abkommen mit der Hamas zu fordern. Diese Proteste markieren den bisher größten Widerstand der Zivilgesellschaft seit Beginn des Gaza-Kriegs. Der emotionale Schwerpunkt: Der Fund der Leichen von sechs Geiseln im Gazastreifen hat die Dringlichkeit eines Abkommens zur Freilassung der verbliebenen Geiseln verstärkt.
Um den Druck auf Regierungschef Benjamin Netanjahu zu erhöhen, kündigt Israels Gewerkschafts-Dachverband einen landesweiten Generalstreik an. Dieser außergewöhnliche Schritt soll das Land für einen Tag zum Stillstand bringen. Bereits in Tel Aviv und anderen Städten kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei. Schätzungen der Organisatoren zufolge, versammelten sich allein in Tel Aviv rund 300.000 Menschen.
Arnon Bar David, der Vorsitzende der Gewerkschaft, wurde von der Nachrichtenseite "ynet" zitiert: „Wir können nicht weiter zuschauen. Ein Deal mit der Hamas ist wichtiger als alles andere.“ Der Streik, der um 06.00 Uhr Ortszeit beginnen soll, wird auch den internationalen Flughafen Ben Gurion betreffen, womit eine Lahmlegung des Flugverkehrs zu erwarten ist.
Währenddessen versuchen Vermittler aus den USA, Katar und Ägypten, den Friedensprozess mit einem letzten Vorschlag voranzutreiben. Die Verhandlungen stagnieren seit Monaten, und ein Scheitern könnte das Ende der diplomatischen Bemühungen bedeuten. Präsident Bidens Administration plant, beiden Konfliktparteien einen endgültigen Vorschlag vorzulegen, um eine Geisel-Freilassung und eine Waffenruhe zu erreichen.
Eine Umfrage des Israel Democracy Institute zeigte, dass 82 Prozent der Israelis eine Vereinbarung zur Freilassung der Geiseln in irgendeiner Form befürworten. Doch über die genauen Bedingungen sind die Meinungen weiterhin gespalten.
Verteidigungsminister Joav Galant macht sich stark für die Geisel-Freilassung und fordert eine Umkehr der Entscheidung des Sicherheitskabinetts, das an der Kontrolle des Philadelphi-Korridors festhält. „Für die Geiseln, die kaltblütig ermordet wurden, ist es zu spät. Wir müssen die verbleibenden Geiseln nach Hause bringen,“ schrieb Galant auf der Plattform X.
Währenddessen läuft im Gazastreifen eine Impfkampagne gegen das Poliovirus. Etwa 640.000 Kinder sollen gegen das hochansteckende Virus immunisiert werden. Dies geschieht unter temporären Feuerpausen, die Israelis Armee zugesichert hat.
Der Gaza-Krieg, der durch ein schlimmes Massaker am 7. Oktober letzten Jahres ausgelöst wurde, hat auf beiden Seiten hohe Opferzahlen gefordert. Israels Herausforderungen bleiben komplex und weiter ungelöst.