Der amtierende Ministerpräsident des Libanon, Nadschib Mikati, hat umgehend eine Sitzung seines Krisenstabs einberufen, nachdem Israel umfangreiche Angriffshandlungen im Südlibanon durchgeführt hat. Die Zusammenkunft findet in Mikatis Residenz in Beirut statt, wie die nationale Nachrichtenagentur NNA mitteilte. Der Krisenstab besteht aus zentralen Ministerien wie Inneres, Gesundheit und Soziales. Eingeladen sind jedoch alle Minister, die unter ihren spezifischen Umständen teilnehmen können.
Die Angriffe Israels folgten auf Vergeltungshandlungen der Hisbollah-Miliz, die in den frühen Morgenstunden eine "erste Phase" ihrer Reaktionen auf die Tötung ihres Militärkommandeurs Fuad Schukr eingeleitet hatte. Israel erklärte, seine Angriffe auf zahlreiche Ziele im Südlibanon seien ein "Akt der Selbstverteidigung".
Der Libanon befindet sich seit Jahren in einer tiefen politischen und wirtschaftlichen Krise. Das Land hat derzeit keinen amtierenden Staatspräsidenten und die Regierung arbeitet nur geschäftsführend. Inmitten des andauernden Konflikts mit Israel hat die Regierung wenig Durchsetzungsvermögen und zeigt kaum Präsenz. Die Hisbollah fungiert in vielen Bereichen wie ein Staat im Staat, insbesondere im Süden, wo die Regierung kaum Einfluss hat.
Die Übergriffe zwischen der Hisbollah und der israelischen Armee eskalieren seit Monaten, vor allem entlang der gemeinsamen Grenze. Beide Seiten verzeichnen zahlreiche zivile Opfer und es wurden zehntausende Menschen zur Flucht aus ihren Wohnorten gezwungen. Offiziell befinden sich der Libanon und Israel im Kriegszustand und die diplomatischen Beziehungen sind nicht existent, wobei der Ursprung des Konflikts über vier Jahrzehnte zurückreicht.