Die demokratische US-Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi hat ihren Unmut über den jüngsten Auftritt des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu vor beiden Kammern des US-Kongresses lautstark kundgetan. Sie bewertete die Rede als 'bei weitem schlechtesten Auftritt eines ausländischen Würdenträgers', der bisher das Privileg genossen habe, vor dem US-Kongress zu sprechen. Dies schrieb Pelosi, die frühere Vorsitzende des Repräsentantenhauses, auf der Plattform X.
Einen besonderen Kritikpunkt stellte die fehlende Ankündigung einer Waffenruhe im Gegenzug für die Freilassung der 120 noch im Gazastreifen verbliebenen Geiseln dar. Pelosi betonte, dass viele Israel-Befürworter in den USA Zeit damit verbracht hätten, den Geschichten der von den Terroranschlägen und Entführungen der Hamas vom 7. Oktober betroffenen israelischen Familien zuzuhören. Diese fordern ein Abkommen, das die Geiseln nach Hause bringt – eine Forderung, von der Pelosi hoffte, dass Netanjahu ihr mehr Aufmerksamkeit schenken würde.
Der israelische Ministerpräsident wies in seiner Rede jegliche Kritik am militärischen Vorgehen seines Landes im Gazastreifen zurück. Angesichts des internationalen und innenpolitischen Drucks hielt Netanjahu eine Verteidigungsrede, die jedoch bei vielen US-Politikern auf Ablehnung stieß.
Während seines mehrtägigen USA-Besuchs plant Netanjahu auch Treffen mit US-Präsident Joe Biden und dessen Amtsvorgänger Donald Trump, der erneut für die Republikaner bei der Präsidentschaftswahl im November antritt. Auch ein Treffen mit Bidens Stellvertreterin Kamala Harris, die voraussichtlich für die Demokraten ins Rennen gehen wird, steht auf der Agenda.
Unterdessen geraten die Verhandlungen über eine Waffenruhe ins Stocken. Der für heute geplante Besuch einer israelischen Delegation in Katar zur Fortsetzung der Gespräche, bei denen Katar, Ägypten und die USA als Vermittler agieren, wurde auf die nächste Woche verschoben.