Die britischen Konservativen stehen vor einer neuen Ära, da zwei weitere Kandidaten ihren Hut für die Parteiführung in den Ring werfen. Nachdem der frühere Innenminister James Cleverly seine Ambitionen bekannt gegeben hat, haben nun auch die ehemaligen Staatssekretäre Tom Tugendhat und Robert Jenrick ihre Kandidaturen angekündigt, wie die Nachrichtenagentur PA berichtet.
Der Schock der Konservativen sitzt tief. Bei der Parlamentswahl Anfang Juli erlitten sie eine historische Niederlage, die dazu führte, dass die sozialdemokratische Labour-Partei unter Führung von Keir Starmer wieder den Premierminister stellt. Diese Wahl markiert das Ende einer 14-jährigen konservativen Regierungszeit und setzt für die Tories einen Richtungswechsel in Gang.
Der bisherige Premierminister Rishi Sunak hat die Downing Street bereits verlassen und plant, auch den Parteivorsitz abzugeben. Die Konservative Partei will bis Anfang November eine neue Parteispitze bestimmen, um sich für die kommenden Herausforderungen zu rüsten.
Der frühere Sicherheitsstaatssekretär Tugendhat erklärte in einem Bewerbungsvideo, dass die Partei ihr Vertrauen bei den Menschen verspielt habe: "Wir haben uns gegenseitig bekämpft, statt für die Briten zu liefern." Zudem deutete er in einem Gastbeitrag für den "Telegraph" an, dass er im Zweifel für einen Austritt aus der Europäischen Menschenrechtskonvention plädieren würde - eine Haltung, die auch Sunak vertrat, um rigorose Abschiebungen nach Ruanda zu ermöglichen.
Die neue Labour-Regierung hat diesen umstrittenen Plan unterdessen gekippt. Doch das Thema bleibt brisant. Der frühere Migrationsstaatssekretär Jenrick, bekannt für seine harte Haltung in der Migrationspolitik, kritisierte ebenfalls die Europäische Menschenrechtskonvention scharf und fordert einen Austritt. Trotz seiner Nähe zu Sunak trat Jenrick zurück, weil ihm der Gesetzentwurf zum Ruanda-Pakt nicht weit genug ging.