06. Juli, 2026

Politik

Eskalation im Westjordanland: Israels Militär geht in die Offensive

Eskalation im Westjordanland: Israels Militär geht in die Offensive

Israels Armee hat eine umfangreiche Militäroperation im besetzten Westjordanland gestartet. Anti-Terror-Einsätze in Dschenin und Tulkarem, zwei Städten im Norden des Gebiets, gelten als Hochburgen militanter Palästinenser. Neben Infanteristen kamen auch Drohnen und Scharfschützen zum Einsatz. Bulldozer zerstörten Infrastruktur, und sämtliche Zufahrtswege nach Dschenin wurden blockiert.

Laut dem Gesundheitsministerium in Ramallah wurden in Dschenin zwei Menschen durch Schüsse getötet und mehrere weitere verletzt. Weitere Todesopfer gab es bei einem Drohnenangriff der israelischen Armee nahe Tubas, wobei unklar ist, ob es sich um militante Palästinenser handelt. Das Ausmaß der Militäroperation wird von "Al-Dschasira" als die größte seit über 20 Jahren im Norden des Westjordanlands beschrieben.

In Dschenin und Tulkarem wurden auch Krankenhäuser umstellt und Krankenwagen blockiert, um zu verhindern, dass sich Militante dort verschanzen. Die israelische Nachrichtenseite "ynet" bestätigte, dass von den Sicherheitskräften gesuchte Personen in den Flüchtlingsvierteln festgenommen werden sollen.

Die Spannungen im Westjordanland haben sich seit dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 und dem daraus resultierenden Beginn des Gaza-Kriegs deutlich verschärft. In Dschenin und Tulkarem kam es immer wieder zu schweren Auseinandersetzungen. Am Montag wurden fünf Menschen bei einem israelischen Luftangriff in Tulkarem getötet.

Berichte über einen israelischen Drohnenangriff im Libanon, bei dem ein Lastwagen zerstört und ein Mensch verletzt wurde, heizen die Lage weiter an. Die Hisbollah-Region im Nordosten des Libanon ist ein neues Epizentrum des Konflikts.

Inmitten dieser Gewalt gab es jedoch einen Hoffnungsschimmer: Eine israelische Geisel wurde nach tagelanger Suche in einem Hamas-Tunnel im Gazastreifen von Spezialeinheiten befreit. Kaid Farhan Alkadi wurde unversehrt gefunden und wird derzeit in einem Krankenhaus behandelt. Seine Befreiung löste große Freude in seiner Gemeinde in der Negev-Wüste aus. Alkadi, der 52-jährige Beduine, war seit dem 7. Oktober in Geiselhaft und hat elf Kinder.

Israels Bemühungen um eine Waffenruhe und die Freilassung der verbleibenden Geiseln gehen weiter. Eine Delegation wird zu weiteren Verhandlungen mit der Hamas nach Doha reisen. Trotz monatelanger Vermittlung durch Katar, Ägypten und die USA sind diese Verhandlungen nach wie vor festgefahren.