Der Aufsichtsrat sieht in der feindlichen Offerte keinen echten Mehrwert für die Aktionäre
Es war der Paukenschlag des Frühjahrs, als Bill Ackman mit seiner Investmentgesellschaft Pershing Square Capital das Ziel auf den Weltmarktführer der Musikindustrie richtete. Doch die Hoffnung des US-Investors auf eine schnelle Übernahme und die damit verbundene Machtübernahme beim Giganten aus Hilversum ist am Freitagabend in sich zusammengebrochen. Nach einer intensiven Sitzung des Aufsichtsrats herrschte im Management Einigkeit: Das Angebot ist nicht nur in der Höhe unzureichend, sondern schlichtweg destruktiv für die langfristige Strategie des Hauses.

Die Ablehnung erfolgt mit einer Deutlichkeit, die in der Branche für Aufsehen sorgt. Für die UMG-Führung ist klar, dass der von Ackman ins Spiel gebrachte Zusammenschluss mit dem Vehikel SPARC Holdings nicht das Potenzial bietet, den wahren Wert des Unternehmens zu entfesseln. Stattdessen wird die Offerte als Versuch gewertet, das Unternehmen unter Wert aus der aktuellen Schwächephase herauszukaufen.
Der Kurs der UMG Aktie spiegelt die tiefe Verunsicherung am Markt wider
Die nüchternen Zahlen an den Börsenplätzen zeichnen ein dramatisches Bild der letzten Monate. Während Ackman seine Übernahmepläne auf einer Bewertung von 56 Milliarden Euro aufbaute, dümpelt der Marktwert des Musikriesen nach einem desaströsen Jahr aktuell bei nur knapp 36 Milliarden Euro. Der Aktienkurs hat im Jahresvergleich ein Drittel seines Wertes verloren. Es ist genau diese Diskrepanz zwischen dem aktuellen Börsenkurs von rund 19,50 Euro und dem Angebotspreis von 30,40 Euro pro Aktie, die Ackman als Einstiegstor nutzte.
Für den US-Investor ist die UMG-Bilanz ein Rätsel, das er nach eigenen Angaben lösen will. Ackman argumentiert in seinem Schreiben an den Verwaltungsrat unmissverständlich, dass das Papier unter einer ineffizienten Bilanzstruktur und einer massiven Marktunsicherheit leide. Er sah sich als Retter in der Not, der durch eine strategische Neuausrichtung den Börsenwert in die Höhe treiben könnte.
Ein erzwungener Börsengang in den USA bleibt ein rotes Tuch für das Management
Besonders der Aspekt der räumlichen Verlagerung sorgte hinter den Kulissen für massives Misstrauen. Die Pläne von Pershing Square sehen zwingend vor, UMG mit dem in den USA ansässigen Vehikel SPARC Holdings zu verschmelzen. Dies wäre de facto ein erzwungener Gang an die Wall Street. Das Management von Universal Music hatte entsprechende Pläne für ein Listing in New York bereits im März aufgrund des volatilen Umfelds auf unbestimmte Zeit verschoben.
Die Strategen im Unternehmen fürchten den Druck eines amerikanischen Marktes, der auf Quartalszahlen fixiert ist und wenig Verständnis für den langfristigen Aufbau von Künstlerkarrieren zeigt. Namen wie Taylor Swift, Lady Gaga oder Billie Eilish sind das Kapital eines Hauses, dessen Wert sich nicht allein über schnelle Renditen definieren lässt. Die UMG-Chefetage sieht in der angestrebten Fusion keine Stärkung des Kerngeschäfts, sondern eine unnötige Komplizierung der Unternehmensstruktur.
Der Machtkampf um die Zukunft der Musikbranche hat gerade erst begonnen
Bill Ackman gilt an der Wall Street als hartnäckiger Stratege, der selten bereit ist, ein Nein als endgültig zu akzeptieren. Die Frage ist nun, ob die Absage vom Freitag lediglich die erste Runde in einem langen Abnutzungskampf war. Die UMG-Führung setzt darauf, dass der Markt die Eigenständigkeit des Konzerns weiterhin höher bewertet als die riskanten Umbaupläne eines externen Investors.

Sollte der Kurs der UMG-Aktie in den kommenden Wochen weiter unter Druck geraten, könnte Ackman versucht sein, seine Anteile zu erhöhen oder andere Großaktionäre auf seine Seite zu ziehen. Die Fronten sind verhärtet, die Argumente ausgetauscht. Was bleibt, ist die bittere Erkenntnis für die Anteilseigner: Ein schneller Geldsegen durch eine Übernahmeprämie ist in weite Ferne gerückt, während das Unternehmen unter einem enormen Rechtfertigungsdruck steht, seine eigene Vision am Aktienmarkt endlich wieder profitabel zu machen.