10. Juli, 2026

Politik

Bayern lockert Ladenöffnungszeiten: Ein Schritt in die Moderne mit bewährten Traditionen

Bayern lockert Ladenöffnungszeiten: Ein Schritt in die Moderne mit bewährten Traditionen

Bayern und das Saarland bleiben die einzigen Bundesländer, die ihre Ladenöffnungszeiten auf maximal 20.00 Uhr begrenzen. Das Kabinett beschloss nach monatelangen Diskussionen jedoch einige Lockerungen. Kommunen dürfen künftig acht lange Einkaufsnächte jährlich ohne besonderen Anlass veranstalten. Zudem können sogenannte digitale Kleinstsupermärkte, die ohne Personal auskommen und eine Verkaufsfläche von maximal 150 Quadratmetern haben, nun durchgängig öffnen, einschließlich sonntags. Außerdem dürfen Händler pro Jahr an vier Werktagen die Öffnungszeiten individuell über 20.00 Uhr hinaus verlängern.

Arbeits- und Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU) betonte, es handle sich um eine gute, ausgewogene Balance zwischen der Freiheit des Marktes und dem Gemeinwohl. Verkaufsoffene Sonntage bleiben weiterhin auf vier Anlässe pro Jahr beschränkt. Der entsprechende Gesetzentwurf soll nach der Sommerpause vorgelegt werden.

Der Beschluss markiert das vorläufige Ende einer langwierigen Debatte, die in den Koalitionsverhandlungen im Herbst ihren Anfang nahm. Im Koalitionsvertrag hatten CSU und Freie Wähler zusätzliche lange Einkaufsnächte und digitale Kleinstsupermärkte als neue Form der Nahversorgung vereinbart. Deshalb wurde ein spezielles bayerisches Ladenschlussgesetz erforderlich, das bisher fehlte. Bayern ist aktuell das einzige Bundesland, das noch der alten Bundesregelung von 1956 folgt.

Die Diskussion um eine mögliche Ausweitung der Kernöffnungszeiten von 6.00 bis 22.00 Uhr führte jedoch zu keinem Ergebnis. Vorschläge von Seiten der CSU München und der Jungen Union wurden abgelehnt. Auch der Handelsverband Bayern sprach sich mehrheitlich für die Beibehaltung des Ladenschlusses um 20.00 Uhr aus.