10. Juli, 2026

Politik

18 Jahre Haft für US-Reporter Gershkovich gefordert

18 Jahre Haft für US-Reporter Gershkovich gefordert

Im aufsehenerregenden Prozess gegen den US-Journalisten Evan Gershkovich hat die russische Staatsanwaltschaft eine Gefängnisstrafe von 18 Jahren beantragt. Die Verhandlung findet in Jekaterinburg im Ural statt und das Urteil wird voraussichtlich noch am heutigen Freitag verkündet. Die Staatsanwaltschaft sieht den Vorwurf der Spionage, der unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt wird, als bewiesen an. Gershkovich, Korrespondent für das "Wall Street Journal", sowie die US-Zeitung und die US-Regierung, haben die Anschuldigungen stets vehement zurückgewiesen und fordern seine sofortige Freilassung. Gershkovich, 32 Jahre alt, wurde im März 2023 festgenommen. Der russische Inlandsgeheimdienst FSB hatte ihn beschuldigt, im Auftrag des US-Geheimdienstes CIA Informationen über die Rüstungsfabrik Uralvagonzavod gesammelt zu haben. Parallel zu den Gerichtsverfahren laufen verdeckte Verhandlungen über einen möglichen Austausch von Gershkovich mit den USA, bislang ohne Ergebnis. Ein schnelles Urteil könnte ein Indiz für einen bevorstehenden Austausch sein, da nach russischer Praxis ein rechtskräftiges Urteil vorliegen muss, um einen solchen Schritt zu ermöglichen. Moskau könnte dies nutzen, um in den USA inhaftierte Russen freizupressen. Zudem besteht seitens des Kremls ein Interesse daran, einen nach dem Berliner Tiergarten-Mord 2021 verurteilten Russen aus einer deutschen Haftanstalt zu befreien. Dieser war aufgrund einer staatlich angeordneten Racheaktion verurteilt worden. Während seiner mehr als einjährigen Untersuchungshaft befand sich Gershkovich überwiegend in einem Moskauer Gefängnis und klagte regelmäßig ohne Erfolg gegen die Verlängerung seiner Haft. Der Prozess gegen ihn begann am 26. Juni; am gestrigen Donnerstag wurde die Beweisaufnahme abgeschlossen. Ein örtlicher Abgeordneter aus Jekaterinburg, der Kontakt zu Gershkovich hatte, sagte in der Verhandlung als Zeuge aus und bestätigte dessen Interesse an militärischen Fragen. Gershkovich hatte in Russland mit einer offiziellen Akkreditierung des Moskauer Außenministeriums gearbeitet. In Folge seiner Festnahme ergingen auch Warnungen an westliche Journalisten, insbesondere in das für seine Rüstungsindustrie bekannte Jekaterinburg zu reisen. Angesichts des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine ist die Lage im Land besonders angespannt. Vertreter westlicher Medien aus sogenannten unfreundlichen Staaten können schnell als Spione denunziert werden.