08. Juli, 2026

Politik

Vielstimmige Proteste: Israelis fordern Freilassung der Hamas-Geiseln

Vielstimmige Proteste: Israelis fordern Freilassung der Hamas-Geiseln

In mehreren Städten Israels, darunter Tel Aviv, Jerusalem und Haifa, haben Tausende Bürger ihre Stimmen erhoben, um ein Abkommen zur Freilassung der etwa 100 verbleibenden Geiseln in der Gewalt der islamistischen Hamas zu fordern. Auf den Kundgebungen machten verschiedene Redner dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu schwere Vorwürfe und beschuldigten ihn, durch seine ablehnende Haltung einen möglichen Deal zu blockieren.

Besonders eindrucksvoll war der Protestmarsch vor Netanjahus Residenz in Jerusalem. Dort rief der ehemalige Diplomat Eran Etzion, dass "die Zeit für einen Deal gekommen" sei und sprach sich zudem für vorgezogene Neuwahlen aus. Laut Berichten der "Times of Israel" liege ein Abkommen auf dem Tisch, welches Netanjahu aus "politischen, persönlichen und strafrechtlichen Gründen" verhindere.

Die Forderungen der Demonstranten kommen inmitten der tiefen Narben, die die Angriffe der Hamas am 7. Oktober 2023 hinterlassen haben. An diesem Tag töteten Extremisten aus dem Gazastreifen etwa 1200 Israelis und entführten rund 250 Personen. Während einer kurzen Waffenruhe im November konnten mehr als 100 Geiseln freikommen, doch das Schicksal der etwa 100 noch im Gazastreifen Verbliebenen ist ungewiss und viele von ihnen werden vermutlich nicht mehr am Leben sein.

Netanjahu führt seit Ende 2022 eine Koalition mit ultrareligiösen und rechtsextremen Parteien, die strikt gegen Zugeständnisse an die Hamas sind. Kritiker werfen ihm vor, aus Angst vor einer Niederlage bei Neuwahlen an seiner Koalition festzuhalten. Eine Wahlniederlage könnte die strafrechtliche Verfolgung von Korruptionsvorwürfen gegen ihn beschleunigen.

Indirekte Verhandlungen, vermittelt durch die USA, Ägypten und Katar, über die Freilassung der Geiseln und eine Waffenruhe im Gaza-Konflikt, sind seit Monaten festgefahren. Die jüngste Gesprächsrunde in Kairo brachte, Medienberichten zufolge, keinerlei Fortschritte.