Österreichs Außenminister Alexander Schallenberg hat sich gegen einen Boykott der aktuellen ungarischen EU-Ratspräsidentschaft unter Ministerpräsident Viktor Orban ausgesprochen. „Wenn wir uns der Aufgeregtheitsspirale hingeben, nützt das am ehesten Orban selbst“, betonte der konservative Chefdiplomat in einem Interview mit der österreichischen Nachrichtenagentur APA.
Der ungarische Regierungschef Orban steht wegen seiner Reisen nach Moskau, Peking und zu US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump vermehrt in der Kritik anderer EU-Staaten. Als Reaktion hat der EU-Chefdiplomat Josep Borrell angekündigt, ein geplantes informelles Treffen der EU-Außenminister von Budapest nach Brüssel zu verlegen.
Schallenberg zeigte Verständnis für Borrells Entscheidung, merkte jedoch an, dass die Mehrheit der EU-Außenministerinnen und -minister gegensätzlicher Meinung sei. Man dürfe zu Orbans „Egotrips“ nicht schweigen, sagte der ÖVP-Politiker, forderte jedoch gleichzeitig eine maßvolle Reaktion. Zu viel Aufmerksamkeit für Orban könnte den Eindruck erwecken, dieser habe mehr Einfluss, als es der Realität entspricht.
Er erinnerte daran, dass Ungarn viele Entscheidungen in der EU unterstütze und prognostizierte, dass Orban sich letztlich an die Regeln halten werde. Andernfalls stünde er am Ende mit einer „völlig gescheiterten EU-Ratspräsidentschaft“ da und würde damit eher verlorengehen.