Abspaltung bis Ende 2027
Abbott Laboratories will seine Ernährungssparte in ein eigenständiges, börsennotiertes Unternehmen abspalten. Das teilte der Konzern am Mittwoch mit. Die Sparte soll als eigenes Unternehmen „ihre Ressourcen strategischer einsetzen“ können, so Abbott. Die Abspaltung erfolgt als steuerfreie Zuteilung an die Aktionäre und soll bis Ende 2027 abgeschlossen sein. Zur Sparte gehören Marken wie Similac, Pedialyte und Ensure.
Die Prognose für 2026 und die im Januar erwartete Prognose für 2027 bleiben laut Abbott unberührt. Neuer Chef des Ernährungsunternehmens wird Daniel Salvadori, bisher Executive Vice President und Group President für Generika und Ernährung.
Reaktion der Börse
Die Abbott-Aktie fiel vorbörslich am Mittwoch um vier Prozent. Seit Jahresbeginn hat sie bis zum Dienstagsschluss mehr als 18 Prozent verloren. Der Kurs lag laut Seitenkopf zuletzt bei 102,45 Dollar, ein Plus von 1,55 Prozent. Die Angabe stammt vom Abruf und passt nicht zum Rückgang, bitte prüfen.

Warum jetzt
Die Abspaltung soll den auf Gesundheitstechnik ausgerichteten Teilen des Konzerns, also Medizintechnik, Diagnostik und Generika, mehr Eigenständigkeit geben. Die Ernährungssparte hat in den vergangenen Jahren immer wieder Probleme bereitet. Rückrufe lösten 2022 in den USA einen landesweiten Mangel an Babynahrung aus.
Die Branche gilt als schwierig, mit teuren Rückrufen und wachsenden Rechtsstreitigkeiten. Abbott ist nicht allein. Auch der britische Konkurrent Reckitt Benckiser wollte sein Babynahrungsgeschäft Mead Johnson abgeben, um sich auf wachstumsstärkere Bereiche zu konzentrieren.
Die Altlasten
Die finanziellen Folgen der Probleme sind erheblich. Im vergangenen Monat einigte sich Abbott darauf, 385 Millionen Dollar zu zahlen, um US-Vorwürfe zu mangelhaften Fertigungspraktiken in zwei Werken beizulegen, darunter ein kontaminiertes Werk für Säuglingsnahrung in Pulverform. Im August hatte der Konzern 670 Millionen Dollar für einen Vergleich in mehreren Klagen zugesagt. Dort geht es um den Vorwurf, Abbott habe verschwiegen, dass seine Säuglingsnahrung für Frühgeborene eine tödliche Darmerkrankung auslösen kann. Zudem senkte das Unternehmen Ende des vergangenen Jahres die Preise einiger Ernährungsprodukte, nachdem es sie zuvor wegen höherer Herstellungskosten angehoben hatte.

Einordnung für Anleger
Der Schritt trennt das Risiko vom Rest des Konzerns. Für die Aktionäre von Abbott bedeutet das: Sie bekommen später Anteile an beiden Unternehmen. Der verbleibende Konzern wäre auf Medizintechnik und Diagnostik fokussiert, typischerweise Bereiche mit höheren Margen und geringeren Prozessrisiken. Das spricht für eine Aufwertung.

Gleichzeitig bleibt offen, mit welchen Altlasten die neue Gesellschaft startet und wer für noch laufende Klagen haftet. Das steht in der Mitteilung nicht. Der Kursrückgang von vier Prozent deutet an, dass Anleger den Verlust von Umsatz und Skaleneffekten schwerer gewichten oder Fragen zur Aufteilung der Haftung sehen. Als Anleger sollten Sie auf die Details achten: Größe der neuen Gesellschaft, Verschuldung, Umgang mit den Rechtsstreitigkeiten und Zeitplan. Dies ist keine Anlageberatung.


