Überraschend wurde Wadim Krasikow, der wegen eines Mordes an einem tschetschenischen Separatistenführer in Deutschland verurteilt wurde, in einem vielschichtigen Gefangenenaustausch freigelassen. Nur Stunden später wurde er in Moskau von Präsident Wladimir W. Putin herzlich auf dem Rollfeld begrüßt. Der für lebenslänglich verurteilte Krasikow war der wertvollste Häftling in einem Deal, der Deutschland 16 Gefangene aus dem Westen und Russland acht Gefangene brachte.
Der Bruder des ermordeten Tschetschenen, Zurab Khangoshvili, verbrachte den Tag mit gemischten Gefühlen und sah sich von seinem Zuhause in Deutschland aus immer wieder das Video des Empfangs an. „Es hat mein Herz zusammengedrückt“, erklärte er und kritisierte die deutschen Behörden scharf dafür, dass sie seine Familie nicht im Voraus informiert hätten.
Bei der Umsetzung des komplexen Gefangenenaustauschs spielte Deutschland eine zentrale Rolle. Insbesondere die Freilassung von Krasikow war ein heikles Thema, das der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz schließlich nach anfänglichem Widerstand vorantrieb. Trotz der traditionellen deutschen Praxis, dass Politiker sich nicht in Gerichtsverfahren einmischen sollten, wurde der Schritt offiziell vollzogen.
Die Reaktionen auf diese diplomatische Entscheidung fielen bisher verhalten aus. Analysten führen dies darauf zurück, dass sowohl Befürworter einer stärkeren Einbindung Moskaus als auch Verfechter der Freilassung von Demokratieaktivisten ihre Ziele erreicht sehen.