Die politische Situation in Venezuela erreicht einen neuen Höhepunkt der Spannungen. Nach den umstrittenen Präsidentenwahlen, bei denen Betrugsvorwürfe laut wurden, hat die linientreue Wahlbehörde (CNE) die detaillierten Wahlergebnisse dem Obersten Gerichtshof vorgelegt. Diese Ankündigung erfolgte am späten Montagabend. Der ebenfalls regierungstreue Oberste Gerichtshof hatte der Wahlbehörde eine Frist von drei Tagen zur Übergabe der Dokumente gesetzt.
Es wurden zudem Beweise für einen vom Wahlrat behaupteten Cyber-Angriff auf das Computersystem gefordert. CNE-Präsident Elvis Amoroso hatte zuvor erklärt, dass ein "terroristischer" Angriff die Datenübertragung verzögert habe. Trotz dieser Schwierigkeiten erklärte die Behörde den autoritären Präsidenten Nicolás Maduro, der seit 2013 an der Macht ist, zum offiziellen Wahlsieger. Allerdings blieben die detaillierten Wahlunterlagen bislang unter Verschluss und die Webseite der Behörde war seit dem Wahlabend nicht zugänglich.
Die Opposition beschuldigt die Regierung der Wahlfälschung und beansprucht den Wahlsieg für ihren Kandidaten Edmundo González Urrutia. Internationale Reaktionen fielen unterschiedlich aus: Während die USA und mehrere lateinamerikanische Länder González bereits als Sieger anerkannten, hält sich die Europäische Union noch zurück und verlangt eine vollständige Offenlegung der Wahlunterlagen. Auch zahlreiche andere Staaten in der Region haben erhebliche Zweifel am offiziellen Wahlergebnis geäußert.