Bangladeschs Präsident Mohammed Shahabuddin hat die Auflösung des nationalen Parlaments eingeleitet, um den Weg für die Bildung einer militärgestützten Interimsregierung und Neuwahlen nach dem Sturz der langjährigen Regierungschefin Sheikh Hasina freizumachen. Diese Entscheidung kam nach mehr als zweiwöchigen Unruhen und nächtlichen Ausgangssperren, die durch Auseinandersetzungen zwischen Hasinas Anhängern, Sicherheitskräften und studentischen Demonstranten ausgelöst wurden.
Shahabuddin hat die zuständigen Behörden angewiesen, die Ausgangssperre aufzuheben, und gleichzeitig Tausende inhaftierte Demonstranten sowie die oppositionelle Führerin Khaleda Zia freigelassen. Die treibende Kraft hinter der Bewegung, studentische Demonstranten, setzen sich dafür ein, dass der Nobelpreisträger und Wirtschaftswissenschaftler Muhammad Yunus die Interimsregierung leiten soll.
Während Investoren auf einen reibungslosen Übergang setzen, was sich in einem rasanten Anstieg des wichtigsten Aktienindex von Bangladesch bemerkbar macht, bleibt die Zukunft von Hasinas Awami-Liga-Partei ungewiss. Es ist möglich, dass diese Partei, die bei den boykottierten Wahlen im Januar fast 80 Prozent der Parlamentssitze gewann, von der Übergangsregierung ausgeschlossen wird. Shahabuddin hat zwar versprochen, "so bald wie möglich" Wahlen abzuhalten, doch bleibt unklar, ob Hasinas Verbündete daran teilnehmen werden können.
Die Herausforderungen für die Interimsregierung sind groß, da sie sich mit einer Wirtschaft konfrontiert sieht, die nach der Pandemie und den jüngsten Unruhen und Internetsperren Schwierigkeiten hat, sich zu erholen. Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und anderen Gläubigern werden notwendig sein, um die schwindenden Reserven aufzubessern. Der IWF zeigte sich bereit, weitere Unterstützung zur Sicherstellung der wirtschaftlichen Stabilität und des inklusiven Wachstums zu leisten.
Sheikh Hasina, die Bangladesch mit eiserner Hand regierte und das Land wirtschaftlich voranbrachte, floh kurz vor der Erstürmung des Präsidentenpalastes durch Demonstranten per Hubschrauber nach Indien. Der indische Außenminister Subrahmanyam Jaishankar bestätigte, dass Hasina um eine vorläufige Aufnahme in Indien gebeten habe. Ihre künftigen Pläne liegen allerdings im Unklaren.
Hasinas Regierungsführung, geprägt durch ihre starke Hand und die Kritik der USA, die Sanktionen gegen Mitglieder ihrer Partei und Sicherheitskräfte verhängten, scheint nun am Ende. Mit dem Beginn der Bildung einer militärgestützten Interimsregierung zeigt sich ein Bild des Wandels und der Unsicherheit über die zukünftige politische Landschaft Bangladeschs.