Das globale Wettrüsten im Weltall hat an diesem Montag eine dramatische Wendung genommen, die das Machtgefüge an der Börse dauerhaft verschieben könnte. Dem staatlichen chinesischen Raumfahrtgiganten China Aerospace Science and Technology Corporation (CASC) ist ein historischer Meilenstein geglückt. Erstmals fingen die Ingenieure aus Peking die Erststufe einer Trägerrakete vom Typ Langer Marsch 10B nach dem Start sicher auf hoher See ab.
Für die erfolgsverwöhnten Investoren von Elon Musk ist diese Nachricht ein regelrechtes Desaster. Die gigantische Bewertung von SpaceX fußt an den Finanzmärkten fast ausschließlich auf der Prämisse, dass das US-Unternehmen durch seine wiederverwendbaren Falcon-9-Raketen einen uneinholbaren Kostenvorteil gegenüber der globalen Konkurrenz besitzt. Diese monopolartige Vormachtstellung bröckelt nun in rasantem Tempo.
China bricht das amerikanische Raumfahrtmonopol mit einer spektakulären Fangkonstruktion auf hoher See
Die technologische Herangehensweise der Ingenieure aus dem Reich der Mitte unterscheidet sich fundamental von der amerikanischen Konkurrenz und demonstriert Pekings Innovationskraft. Während die Falcon 9 von SpaceX traditionell auf ausklappbaren Landebeinen aufsetzt, wählte die CASC einen völlig neuen, hocheffizienten Weg. Sie ließ den tonnenschweren Booster nach dem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre exakt in ein riesiges, speziell entwickeltes Netz auf einem Bergungsschiff sinken.
Mit diesem Husarenstück auf dem Ozean ist die staatliche chinesische Raumfahrtbehörde nach SpaceX und Blue Origin erst die dritte Organisation in der Geschichte der Menschheit, der die kontrollierte Bergung einer orbitalen Raketenstufe gelungen ist. Der staatliche Konzern gab unmittelbar nach dem Erfolg bekannt, den geborgenen Booster noch vor dem Jahreswechsel erneut ins All schießen zu wollen. Erst dieser geschlossene Kreislauf liefert den endgültigen Beweis für eine echte, wirtschaftliche Wiederverwendbarkeit.
SpaceX beherrscht diesen Prozess zwar bereits seit dem Jahr 2015 routinemäßig, doch der Druck aus Asien wird von Monat zu Monat spürbarer. Wie fehleranfällig und steinig der Weg zur verlässlichen Serienreife im All bleibt, zeigt das Beispiel von Jeff Bezos' Raumfahrtfirma Blue Origin. Dieser gelang zwar im vergangenen November eine erste Booster-Landung, doch erst im Mai explodierte eine New Glenn Rakete wieder spektakulär auf der Startrampe. China scheint diese Kinderkrankheiten nun mit mathematischer Präzision zu überspringen.
Die Wall Street reagiert mit brutalen Kursabschlägen auf den rasanten Vormarsch der Kommunistischen Partei
Die Reaktion an den Handelsplätzen ließ nach dem Bekanntwerden des chinesischen Coups nicht lange auf sich warten und traf die Aktionäre hart. Zum Handelsschluss an der NASDAQ verlor die SpaceX-Aktie auf einen Schlag 4,51 Prozent an Wert und sackte auf 145,30 US-Dollar ab. Auch vorbörslich setzte sich der Abwärtstrend am folgenden Handelstag unbarmherzig fort, als ein weiteres Minus von 0,90 Prozent den Kurs auf 143,99 US-Dollar drückte.

Dieser heftige Rückschlag trifft das Unternehmen in einer ohnehin extrem angespannten und volatilen Phase. Seit dem viel beachteten Rekord-Börsengang Mitte Juni steht der Titel unter genauer Beobachtung, und die Aktie musste bereits einen erheblichen Teil ihrer anfänglichen Kursgewinne wieder abgeben.
Dass ausgerechnet ein staatlich orchestrierter Fortschritt aus Peking die Notierung an der New Yorker Börse derart ins Wanken bringt, entlarvt die größte Schwachstelle der Musk-Wette. Der Markt beginnt zu begreifen, dass das Satelliten-Netzwerk Starlink und die künftigen Starship-Missionen im Orbit nicht dauerhaft ohne ernsthafte, staatlich subventionierte Konkurrenz bei den Startkosten bleiben werden.
Morgan Stanley warnt die Investoren vor der unbarmherzigen Skalierung des chinesischen Raumfahrtsektors
Die Analysten der US-Investmentbank Morgan Stanley teilen die Sorgen der Anleger uneingeschränkt und untermauern das Bedrohungsszenario mit harten Zahlen. Das Bankhaus bewertet Chinas schnell voranschreitendes Programm für wiederverwendbare Raketen explizit als „die größte langfristige Wettbewerbsbedrohung für SpaceX“, ausgelöst durch genau diese erste erfolgreiche Bergung einer orbitalen Raketenstufe.
Dabei verweisen die Experten auf ein hochkomplexes, breiteres Raumfahrt-Ökosystem in Fernost, das sich längst nicht mehr nur auf staatliche Behörden beschränkt. Neben der CASC drängen private und staatlich gestützte chinesische Anbieter wie LandSpace, Galactic Energy und Space Pioneer mit enormem Kapital in den Markt.

Zur Einordnung der schieren Masse führt das Analysehaus an, dass China im vergangenen Jahr bereits auf 90 Orbitalstarts kam. Zum Vergleich: Die Falcon 9 von SpaceX absolvierte im gleichen Zeitraum 165 Starts. Damit ist das Reich der Mitte, gemessen an der reinen Aktivität, bereits jetzt der zweitgrößte Startmarkt der gesamten Welt.
Bisher hatte selbst die U.S. Space Force die chinesischen Ingenieure noch gut drei bis fünf Jahre von der technologischen Meisterschaft der Wiederverwendbarkeit entfernt gesehen. Diese militärische Einschätzung ist durch die jüngste Demonstration auf hoher See hinfällig. Morgan Stanley betont, dass sich dieser Zeitplan nun drastisch verkürzen dürfte. Trotz dieser massiven Konkurrensorgen belässt das Haus die Einstufung für SpaceX vorerst auf Overweight mit einem Kursziel von 300 US-Dollar.
Der nächste extrem belastbare Datenpunkt für die Marktteilnehmer wird der angekündigte Zweitstart des geborgenen chinesischen Boosters noch in diesem Jahr sein. Sollte dieser Flug glücken, ist das Kostendiktat von SpaceX gebrochen. Parallel dazu richten sich alle Augen auf Elon Musk selbst, der nun den nächsten Teststart seiner gigantischen Starship-Rakete forcieren muss, um den technologischen Abstand zu Peking panisch zu verteidigen.