07. Juli, 2026

Politik

Kamala Harris und der Richtungswechsel in der amerikanischen Steuerpolitik

Kamala Harris und der Richtungswechsel in der amerikanischen Steuerpolitik

Noch nie war es so günstig, über großes Vermögen zu verfügen wie derzeit. Laut dem Institut für Policy Studies steigerte sich das Vermögen amerikanischer Milliardäre während der COVID-Krise um 62 %. Die gemeinnützige Organisation Oxfam berichtet, dass das reichste 1 % der Welt zwei Drittel der 42 Billionen Dollar an neu geschaffenem Wohlstand in den Jahren nach der Pandemie erlangte. Wie Präsident Joe Biden, dessen Amt sie anstrebt, sieht auch Vizepräsidentin Kamala Harris diese Art von Statistiken als ein Zeichen für eine toxische Wohlstandsungleichheit und wirtschaftliche Ungerechtigkeit. Gewinnt sie die Wahl im November und hat die Unterstützung des Kongresses, könnten sich die Superreichen und Wohlhabenden auf neue Steuerlasten einstellen. Dennis Shirshikov, Professor für Finanzwesen, Buchhaltung und Wirtschaft an der City University of New York, sieht signifikante Änderungen des Steuerrechts für die Reichen bei einem möglichen Harris-Sieg. Harris hat bereits frühere Positionen von Präsident Biden übernommen, die darauf abzielen, dass die reichsten Amerikaner ihren fairen Anteil an Steuern zahlen. Das offizielle Biden-Harris-Budget 2025 schlägt hierfür einen umfassenden Steuerplan vor: Eine 25%ige Mindeststeuer für die reichsten 0,01 % mit Vermögen über 100 Millionen Dollar. Zudem sollen Kapitalgewinne für Einkommensmillionäre wie reguläres Einkommen versteuert und Schlupflöcher für Investmentfonds-Manager sowie Immobilieninvestoren geschlossen werden. Das radikalste Vorhaben ist jedoch die Besteuerung von unverwirklichten Gewinnen, ein Paradigmenwechsel in der US-Steuerpolitik. Diese Maßnahme könnte das Narrativ von „nur realisierte Gewinne werden besteuert“ umkehren und als Markstein in der Besteuerung gesehen werden. "Harris' Ansatz zielt darauf ab, Einkommensungleichheit zu adressieren und sicherzustellen, dass die reichsten Amerikaner einen angemesseneren Beitrag zu den öffentlichen Einnahmen leisten", so Shirshikov. Neben der wohlhabenspezifischen Steuer erhöhung sieht er auch eine Anhebung des höchsten Einkommenssteuersatzes voraus. Der Plan sieht eine Rückkehr zur Top-Steuerrate von 39,6 % vor, die durch Trumps Steuerreform von 2017 gesenkt wurde. Für viele stellt ein Einkommen von 400.000 US-Dollar vielleicht keine Zugehörigkeit zur Elite dar, doch die Biden-Harris-Administration betrachtet dieses Niveau als eine vernünftige Grundlage für gezielte Steuern auf Wohlhabende. Diese Maßnahmen sollen die Einkommensungleichheit verringern und zusätzliche Einnahmen für soziale Programme generieren, was sich auf die Anlagestrategien und Finanzplanungen der Wohlhabenden auswirken könnte.