Mehr Marge, weniger Umsatz
Atoss will in diesem Jahr noch profitabler werden. Die operative Umsatzrendite (EBIT-Marge) soll nach Angaben des Unternehmens vom Freitag bei rund 37 Prozent liegen. Bisher hatte Atoss mindestens 34 Prozent in Aussicht gestellt. Beim Umsatz erwartet der Vorstand dagegen nur noch das untere Ende der Spanne von 210 bis 215 Millionen Euro.
Die Begründung: Die wiederkehrenden Erlöse aus dem Cloud-Geschäft entwickelten sich positiv, die Verkäufe von Softwarelizenzen blieben aber hinter den Erwartungen zurück. In den ersten neun Monaten stieg der Umsatz um zwölf Prozent auf 155,8 Millionen Euro. Die EBIT-Marge erreichte 37 Prozent, nach 35 Prozent im Vorjahreszeitraum.

Was hinter den Zahlen steckt
Atoss entwickelt Software für Personaleinsatzplanung, Zeitwirtschaft und Arbeitszeiterfassung. Das Geschäft wandert zunehmend in die Cloud. Im zweiten Quartal wuchsen die Cloud- und Abonnementerlöse um 26 Prozent auf 55,7 Millionen Euro und machten 54 Prozent des Umsatzes aus. Lizenzerlöse sanken dagegen um 33 Prozent auf 2,9 Millionen Euro, die Wartung ging um vier Prozent zurück. Der Cloud-Auftragsbestand, der vertraglich gesicherte Cloud-Gebühren der nächsten zwölf Monate misst, lag Ende Juni bei 120,7 Millionen Euro, 25 Prozent mehr als im Vorjahr.
Der Wechsel vom Lizenz- zum Abomodell hat zwei Seiten. Er sorgt für planbare, wiederkehrende Einnahmen. Gleichzeitig fehlen die Einmalerlöse, die bisher Umsatz und Marge schnell nach oben trieben. Das erklärt, warum die Marge steigt, der Umsatz aber hinter den Plänen zurückbleibt.
Rechnerisch: ein starkes drittes Quartal
Aus den Zahlen lässt sich das dritte Quartal herleiten. Das ist meine Rechnung mit gerundeten Werten. Nach 103,2 Millionen Euro im ersten Halbjahr bleiben für das dritte Quartal rund 52,6 Millionen Euro Umsatz. Das EBIT lag nach neun Monaten bei etwa 57,6 Millionen Euro, nach 36,2 Millionen im ersten Halbjahr. Damit kommt das dritte Quartal auf rund 21 Millionen Euro EBIT und eine Marge von etwa 40 Prozent. Für das Schlussquartal ergibt das Umsatzziel am unteren Ende (210 Millionen Euro) rund 54 Millionen Euro Umsatz und bei 37 Prozent Marge ein EBIT von knapp 20 Millionen Euro.

Der Weg dorthin
Die Marge steigt seit Jahresbeginn. Im April hob Atoss die Mindestmarge auf 34 Prozent an, im Juli bestätigte der Konzern sie bei einer Umsatzprognose von 210 bis 215 Millionen Euro. Zu Jahresbeginn hatte der Konzern noch von rund 215 Millionen Euro Umsatz ausgesprochen. 2025 lag der Umsatz bei 189,3 Millionen Euro, die EBIT-Marge bei 36 Prozent. Langfristig strebt Atoss für 2030 einen Umsatz von rund 400 Millionen Euro bei einer Marge über 35 Prozent an. Für die Aktionäre wurde zuletzt eine Ausschüttung von 2,28 Euro je Aktie beschlossen. Zum Jahreswechsel 2026/2027 ist zudem ein Wechsel in der Führung geplant.
Einordnung für Anleger
Die Anhebung ist ein Qualitätsbeleg. Atoss verdient an jedem Euro Umsatz mehr, und die Cloud-Basis wächst stabil. Das ist bei Software der Kern der Bewertung. Der Haken liegt beim Umsatz: Die Prognose rutscht ans untere Ende, und das schwache Lizenzgeschäft zeigt, dass Neukunden und Einmalaufträge nicht ganz so schnell kommen wie erhofft. Bei einem Wert, der für Wachstum bezahlt wird, zählt das.

Wer investiert ist, sollte beim Quartalsbericht auf den Cloud-Auftragsbestand, die Entwicklung der Lizenzen und die Kommentare zur Nachfrage achten. Auch die Frage, ob die hohe Marge von etwa 37 Prozent im Schlussquartal und 2027 hält, ist offen. Zur Kursreaktion enthält die Meldung keine Angaben. Dies ist keine Anlageberatung.


