Marge schießt nach oben
TotalEnergies rechnet für das dritte Quartal mit einem massiven Gewinnsprung. Die Raffineriemarge dürfte sich im Vorjahresvergleich fast vervierfacht haben, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte. Für das abgelaufene Quartal erwartet er eine Marge von 33,2 Dollar je Barrel, nach 8,4 Dollar je Barrel ein Jahr zuvor. Die Marge ist die Differenz zwischen dem Preis der Produkte wie Diesel und Benzin und den Kosten für das Rohöl. Je größer sie ist, desto mehr verdient eine Raffinerie an jedem verarbeiteten Fass.

Straße von Hormus als Treiber
Auslöser ist der Krieg der USA und Israels mit dem Iran. Er hat zur faktischen Schließung der Straße von Hormus geführt, einer der wichtigsten Routen für den Öltransport. Das stört die weltweite Versorgung und hat die Preise für Rohöl und Gas auf Mehrjahreshochs getrieben. Am stärksten profitiert das Raffineriegeschäft, weil Diesel und andere Produkte knapp sind und die Lagerbestände niedrig.
Die Konkurrenz zieht mit
Auch die Rivalen verdienen kräftig. Shell hat in der vergangenen Woche eine Rekord-Raffineriemarge in Aussicht gestellt, BP rechnet mit einer Verdreifachung. TotalEnergies und Shell legen ihre vollständigen Quartalsergebnisse am 29. Oktober vor, BP folgt einen Tag später.
Schon das zweite Quartal war stark
Die Entwicklung ist keine Überraschung. Im zweiten Quartal hatte TotalEnergies einen bereinigten Nettogewinn von sechs Milliarden Dollar erzielt, 67 Prozent mehr als im Vorjahr und das beste Quartal seit fast drei Jahren. Das Raffinerie- und Chemiegeschäft, zu dem auch der Ölhandel zählt, verdiente 1,8 Milliarden Dollar, über 360 Prozent mehr. Der Ölpreis der Sorte Brent lag im Schnitt bei rund 97 Dollar je Barrel, 45 Prozent über dem Vorjahr. Dagegen blieb das Geschäft mit Flüssigerdgas schwach: Es brachte 807 Millionen Dollar, ein Minus von 22 Prozent, vor allem wegen des Handels.
Der Konzern hielt für das dritte Quartal ein Rückkaufprogramm von 1,5 Milliarden Dollar aufrecht. Konzernchef Patrick Pouyanné kündigte an, die Beteiligung an der russischen Anlage Arctic LNG 2 aufzugeben.

Wo es klemmt: Produktion in der Region
Der Krieg hilft nicht überall. Zum zweiten Quartal hatte TotalEnergies gewarnt, die Förderung im Nahen Osten könne die Gesamtproduktion im dritten Quartal um fünf bis zehn Prozent drücken. Ohne die Störungen rechnete der Konzern mit einem Plus von drei Prozent. Gemeldet wurde auch, dass die Förderung im Nahen Osten nur langsam wieder anläuft. Die tatsächliche Fördermenge im dritten Quartal steht noch aus. Sie dürfte zeigen, wie viel von der Marge unterm Strich bleibt.
Einordnung für Anleger
Die Raffineriemarge ist ein Frühindikator, aber noch kein Gewinn. Ob der Konzern ein weiteres Rekordquartal liefert, hängt von zwei Dingen ab: wie viel Öl er fördern und verarbeiten konnte und wie das Handelsgeschäft lief. Der Ölhandel hatte im ersten Halbjahr stark beigetragen, das Gasgeschäft dagegen nicht.
Wichtiger ist die Frage, wie lange das anhält. Die Gewinne beruhen auf einer Ausnahmesituation. Sobald sich die Lage in der Straße von Hormus entspannt, dürften die Margen wieder sinken. Das Beispiel 2022 zeigt, wie schnell das gehen kann: Damals schossen die Raffineriegewinne nach Russlands Überfall auf die Ukraine nach oben und fielen danach binnen Monaten deutlich. Wer den Konzern wegen der Dividende und der Rückkäufe hält, sollte beobachten, ob TotalEnergies die Rückkäufe fortsetzt und was der Konzern zum Ausblick für das vierte Quartal sagt.



