Die Flammen über den Ölfeldern des Nahen Ostens werfen einen tiefschwarzen Schatten auf die Weltwirtschaft, doch in der Bilanz von TotalEnergies sorgen sie für strahlende Gesichter. Während der Krieg im Iran die Region destabilisiert, meldete der französische Energieriese am Mittwoch einen bereinigten Nettogewinn von 5,4 Milliarden Dollar für das erste Quartal – ein massiver Anstieg um 29 Prozent. Analysten, die mit deutlich weniger gerechnet hatten, wurden von der Wucht dieses Ergebnisses regelrecht überrumpelt. Es ist eine Bilanz, die zeigt: Je tiefer die geopolitische Krise, desto sprudelnder die Gewinne der Ölmultis.
Das Ergebnis ist umso bemerkenswerter, als der Konzern physisch massiv unter den Kriegshandlungen leidet. Rund 15 Prozent der gesamten Förderproduktion von TotalEnergies liegen derzeit aufgrund der Kämpfe und Zerstörungen still. Iranische Angriffe trafen das Herz der Energieversorgung und beschädigten kritische Flüssiggasanlagen in Katar, die als Hauptlieferanten für den Konzern fungieren. Auch die saudi-arabische Großraffinerie SATORP, an der die Franzosen maßgeblich beteiligt sind, wurde zum Ziel von Attacken. Doch was an Fördermenge verloren ging, holte sich der Konzern über die explodierenden Marktpreise und ein aggressives Trading-Geschäft doppelt zurück.

Die Verfünffachung der Gewinne inmitten des Raketenhagels
Besonders die Sparte Raffinerien und Chemie entwickelte sich zur Goldgrube des Konzerns. Hier verfünffachte sich der Gewinn auf astronomische 1,6 Milliarden Dollar. In Zeiten, in denen Treibstoffe und chemische Vorprodukte durch kriegsbedingte Knappheit zu Luxusgütern werden, kann TotalEnergies Margen durchsetzen, die unter normalen Marktbedingungen undenkbar wären. Es ist ein klassischer Mitnahmeeffekt: Die Verknappung der Ressourcen durch den Krieg im Iran ermöglichte es dem Konzern, die Preise am Weltmarkt weit über die gestiegenen Kosten hinaus anzuheben.
Der Handel mit Öl und Ölprodukten erwies sich dabei als der entscheidende Hebel. Während die Welt um die Versorgungssicherheit bangt, nutzen die Trader von TotalEnergies die Volatilität der Märkte eiskalt aus. Jede neue Meldung über beschädigte Pipelines oder blockierte Schifffahrtswege treibt die Spekulation an – und damit die Profite derer, die noch Zugriff auf Bestände haben. Es ist ein lukratives Geschäft mit der Angst, das die Verluste in der direkten Förderung mehr als kompensiert.
Strom und Gas liefern stabile Erträge trotz Chaos-Märkten
Auch abseits der direkten Ölförderung bauten die Franzosen ihre Machtstellung weiter aus. Das Fördergeschäft (Upstream) legte trotz der Teil-Stilllegung um fünf Prozent zu, was die enorme Bedeutung der verbliebenen, intakten Standorte unterstreicht. Im Bereich Flüssiggas (LNG) verzeichnete der Konzern ein Plus von zwei Prozent – eine solide Leistung angesichts der massiven Sabotageakte gegen die Infrastruktur in Katar.
Auffällig ist zudem die Dynamik im Stromgeschäft, das um acht Prozent wuchs. TotalEnergies verfolgt seit Jahren eine Diversifizierungsstrategie, um sich unabhängiger vom volatilen Ölpreis zu machen. Dass dieser Bereich ausgerechnet in einer Phase der globalen Energieknappheit so stark zulegt, zeigt die strategische Weitsicht des Managements. Man profitiert nun an allen Enden der Wertschöpfungskette von den historisch hohen Energiepreisen, die durch den Konflikt zwischen Teheran und seinen Gegnern in die Höhe getrieben wurden.
Ein zweischneidiges Schwert für die Zukunft der Energieversorgung
Doch der Erfolg auf dem Papier kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass TotalEnergies auf einem Pulverfass sitzt. Die Abhängigkeit von Anlagen in politisch instabilen Regionen wie Saudi-Arabien und Katar bleibt das größte Risiko. Sollte der Iran-Krieg weiter eskalieren und noch mehr Infrastruktur zerstört werden, könnte der Punkt erreicht werden, an dem auch die höchsten Ölpreise den physischen Verlust der Fördermengen nicht mehr ausgleichen können.

Für den Moment jedoch feiert der Konzern einen Sieg der Gier über die Geopolitik. Während die Verbraucher weltweit unter den horrenden Energiekosten leiden, die der Krieg verursacht, füllen sich die Tresore in Paris. Es bleibt die bittere Erkenntnis, dass für die großen Ölkonzerne das Chaos im Nahen Osten kein Hindernis, sondern der ultimative Katalysator für Rekordgewinne ist.
Die aktuelle Bilanz ist ein Beweis dafür, dass die Architektur der globalen Energiemärkte so gebaut ist, dass die Produzenten selbst dann gewinnen, wenn die Welt um sie herum in Flammen aufgeht.