26. April, 2026

Unternehmen

Analyst zerstört NVIDIA-Hype – empfiehlt Verkauf trotz KI-Boom

Während Wall Street NVIDIA feiert, warnt Jay Goldberg vor künstlich gestützter Nachfrage und überhitzten Strukturen. Sein Kursziel: minus 30 Prozent. Broadcom sei die bessere Wahl. Ein einsamer Ruf gegen den Mainstream.

Analyst zerstört NVIDIA-Hype – empfiehlt Verkauf trotz KI-Boom
NVIDIA unter Druck: Analyst sieht künstlich gestützte Nachfrage. Broadcom mit 60% Marktanteil bei Custom AI Chips. KI-Segment +106%.

Die beiden KI-Schwergewichte NVIDIA und Broadcom gehören zu den größten Profiteuren des globalen KI-Booms. Doch laut einem aktuellen Analystenkommentar von Jay Goldberg von Seaport Global gibt es eine klare Trennung: Eine Aktie sei eher ein Verkauf, die andere ein Kauf.

Während die Mehrheit der Analysten sowohl NVIDIA als auch Broadcom weiterhin positiv bewerten, sieht Jay Goldberg das deutlich kritischer. Er empfiehlt NVIDIA zum Verkauf und setzt ein Kursziel von 140 US-Dollar an – ein mögliches Minus von rund 30 Prozent.

Gleichzeitig empfiehlt er Broadcom zum Kauf, auch wenn sein Kursziel von 430 US-Dollar mit rund zwei Prozent Aufwärtspotenzial unter dem Marktkonsens liegt.

Diese Position ist bemerkenswert. NVIDIA gilt als Goldstandard der KI-Revolution. Die Aktie hat in den vergangenen Jahren eine beispiellose Rally hingelegt. Analysten überschlagen sich mit Lobeshymnen, Investoren strömen in die Aktie.

Und nun kommt Goldberg und sagt: Verkaufen. Das erfordert Mut – oder Hybris.

NVIDIA dominiert – aber die Struktur ist fragil

NVIDIA gilt als unangefochtener Marktführer im Bereich KI-Hardware. Die Grafikprozessoren des Unternehmens sind der Industriestandard für KI-Training und -Anwendungen. Zudem spielt die eigene Softwareplattform CUDA eine zentrale Rolle im KI-Ökosystem.

„Trotz NVIDIAs Ruf als Halbleiterunternehmen wird die Kraft seiner Softwarefähigkeiten oft unterschätzt. Mehr als die Hälfte der Ingenieure des Unternehmens arbeitet an Software", beschreibt der ehemalige Analyst Tae Kim, heute Technologieautor bei Barron's, die Stärke des Unternehmens.

CUDA ist der Burggraben. Entwickler lernen auf CUDA, trainieren ihre Modelle auf CUDA, deployen auf CUDA. Der Wechsel zu einer anderen Plattform wäre teuer, zeitaufwändig, riskant.

NVIDIA verkauft nicht nur Chips, sondern ein Ökosystem. Und dieses Ökosystem ist schwer zu verlassen.

Große Coinbase Aktienanalyse 2026: Kaufen oder Verkaufen? | AlleAktien
Was Coinbase von kurzlebigen Kryptoprojekten unterscheidet, ist die strukturelle Positionierung genau an der Schnittstelle zwischen traditionellem Kapital und digitaler Vermögenswelt, einem Übergang, der durch regulatorische Rückendeckung in den USA gerade erheblich an Fahrt gewinnt. Für dich als Investor ist die entscheidende Frage deshalb nicht, ob Krypto eine Zukunft hat, sondern ob Coinbase der dauerhaft dominierende Zugangspunkt zu dieser Zukunft sein wird.

Trotz dieser Dominanz sieht Jay Goldberg Risiken. Besonders kritisch bewertet er die zunehmende „zirkuläre Struktur" von Investitionen: NVIDIA schließt Milliardenverträge mit Cloud-Anbietern, investiert gleichzeitig aber auch selbst in Kunden wie OpenAI, Anthropic und CoreWeave.

Dadurch entstehe der Eindruck, dass Nachfrage teilweise künstlich gestützt werde.

Die zirkuläre Investitionsstruktur – ein Warnsignal

Goldbergs Kritik trifft einen wunden Punkt. NVIDIA verkauft Chips an OpenAI. Gleichzeitig investiert NVIDIA in OpenAI. OpenAI kauft mehr Chips. NVIDIA verdient doppelt.

Das gleiche Muster bei CoreWeave, einem Cloud-Anbieter, der NVIDIA-GPUs vermietet. NVIDIA ist Investor und Lieferant. CoreWeave kauft Milliarden Dollar an NVIDIA-Hardware.

Diese Struktur wirft Fragen auf. Ist die Nachfrage echt? Oder wird sie durch NVIDIAs eigenes Kapital gestützt?

Wenn NVIDIA aufhört zu investieren, bricht dann die Nachfrage ein?

Das Unternehmen würde argumentieren: Die Investitionen sind strategisch. Sie sichern langfristige Partnerschaften, schaffen Ökosysteme, fördern Innovation.

Kritiker wie Goldberg sehen das anders: Es ist ein Kartenhaus. NVIDIA finanziert seine eigenen Kunden, damit diese weiter kaufen.

Sollte das Wachstum stocken, könnte diese Struktur zum Problem werden. Die Investitionen in Kunden müssen irgendwann Rendite abwerfen. Sonst sind es verlorene Milliarden.

Zusätzlich betont der Experte den wachsenden Wettbewerb durch maßgeschneiderte Chips, etwa Tensor Processing Units von Google sowie Broadcom-basierte Lösungen. Diese seien zwar softwareseitig weniger ausgereift, aber in bestimmten Anwendungen kosteneffizienter.

Google baut seine TPUs seit Jahren aus. Sie sind optimiert für TensorFlow, Googles KI-Framework. Für Google-interne Anwendungen sind sie effizienter als NVIDIA-GPUs.

Meta entwickelt eigene Chips. Amazon auch. Microsoft experimentiert. Die großen Hyperscaler wollen unabhängig werden von NVIDIA.

Das schmälert NVIDIAs Markt. Nicht sofort, nicht dramatisch. Aber langfristig.

NVIDIA wächst trotzdem wie verrückt

Dennoch bleibt NVIDIA fundamental stark. Im letzten Quartal stieg der bereinigte Gewinn im Vergleich zum Vorjahr um 82 Prozent, während Analysten langfristig weiterhin ein jährliches Gewinnwachstum von über 50 Prozent erwarten.

82 Prozent Gewinnwachstum. Das ist keine normale Geschäftsentwicklung. Das ist ein Boom.

Die Frage ist: Wie lange hält er an?

NVIDIA profitiert davon, dass jedes Unternehmen, jedes Land, jede Organisation glaubt, ohne KI nicht überleben zu können. Die Ausgaben für KI-Infrastruktur explodieren.

Aber irgendwann ist die Infrastruktur gebaut. Dann sinkt die Nachfrage nach Hardware. NVIDIA würde weiterhin verkaufen – aber nicht mehr mit 80 Prozent Wachstum.

Goldbergs Verkaufsempfehlung basiert auf der These: Der Markt preist ewiges Wachstum ein. Das ist unrealistisch. Wenn das Wachstum sich verlangsamt, korrigiert die Aktie.

Mit einem Kursziel von 140 Dollar rechnet er mit einem Rückgang von 30 Prozent. Das ist kein Crash, aber eine deutliche Korrektur.

Altbauten: Sichere Immobiliengeldanlage gegen Inflation
Hochwertige Altbauten erweisen sich als zuverlässiger Schutz vor Inflation. Sie sparen Anleger von kostspieligen Hedging-Strategien und bieten langfristige Wertstabilität.

Broadcom – der unterschätzte Herausforderer

Broadcom entwickelt ein breites Portfolio an Halbleitern, insbesondere für Rechenzentren und KI-Anwendungen. Besonders wichtig sind sogenannte ASICs – kundenspezifische Chips, die direkt mit NVIDIA konkurrieren.

Broadcoms „Tomahawk"-Switch gilt als Industriestandard für Rechenzentrumsnetzwerke. Zudem halte das Unternehmen rund 60 Prozent Marktanteil bei maßgeschneiderten KI-Chips, die unter anderem für Google, Meta, OpenAI und ByteDance entwickelt werden.

60 Prozent Marktanteil bei Custom AI Chips. Das ist beeindruckend. Und es zeigt: Broadcom ist kein Nischenplayer, sondern ein ernsthafter Konkurrent.

Der Unterschied zu NVIDIA: Broadcom verkauft keine Standardprodukte, sondern maßgeschneiderte Lösungen. Jeder Kunde bekommt einen speziell entwickelten Chip.

Das ist weniger skalierbar als NVIDIAs Modell. Aber es schafft tiefe Kundenbindungen. Wer einen Custom Chip entwickelt hat, wechselt nicht einfach.

Das Wachstum im KI-Segment ist enorm. Die KI-Halbleiterumsätze stiegen zuletzt um 106 Prozent. CEO Hock Tan erwartet, dass sich diese Dynamik weiter beschleunigt, da immer mehr Kunden in die nächste Ausbaustufe ihrer KI-Infrastruktur gehen.

106 Prozent Wachstum im KI-Segment. Das ist sogar stärker als bei NVIDIA. Aber es betrifft nur einen Teil von Broadcoms Geschäft.

Allerdings wächst Broadcom insgesamt langsamer als NVIDIA, da klassische Geschäftsfelder wie Netzwerktechnik und Software noch bremsen. Im letzten Quartal lag das Umsatzwachstum bei 29 Prozent.

29 Prozent Gesamtwachstum ist immer noch sehr stark. Aber es ist kein 80-Prozent-Wachstum. Broadcom ist diversifizierter – und damit stabiler, aber langsamer.

Goldbergs These – zwei Gewinner, aber unterschiedliche Risiken

Sowohl NVIDIA als auch Broadcom profitieren massiv vom KI-Boom und gelten langfristig als strukturelle Gewinner. Dennoch zeigt die Analyse von Jay Goldberg einen klaren Unterschied im Risikoprofil.

Während NVIDIA als Marktführer mit starkem Wachstum gilt, jedoch mit potenziell überhitzten Investitionsstrukturen und zunehmendem Wettbewerb durch Spezialchips konfrontiert ist, ist Broadcom breiter aufgestellt, stärker im Bereich kundenspezifischer KI-Lösungen und gewinnt zunehmend Marktanteile im Infrastruktursegment.

Goldbergs Argument lautet: NVIDIA ist zu teuer für das, was es liefert. Die zirkulären Investitionen sind ein Warnsignal. Der Wettbewerb wächst. Die Aktie ist überbewertet.

Broadcom hingegen ist solide, wächst stark im KI-Bereich, hat tiefe Kundenbeziehungen und ist nicht so stark vom GPU-Markt abhängig.

Das Kursziel von nur zwei Prozent über dem aktuellen Kurs zeigt allerdings: Auch Broadcom ist nicht billig. Goldberg sieht keinen massiven Upside, aber ein besseres Risiko-Rendite-Profil als bei NVIDIA.

Die Frage ist – hat Goldberg recht oder steht er allein da

Ein Analyst gegen den Mainstream. Das kann brillant sein – oder katastrophal.

Wenn Goldberg recht hat, werden NVIDIA-Investoren in den kommenden Monaten Verluste erleiden. Wenn er falsch liegt, verpasst er eine der größten Tech-Rallyes der Geschichte.

Die Mehrheit der Analysten sieht NVIDIA weiterhin als Kauf. Die Bewertungen sind hoch, aber gerechtfertigt durch das Wachstum. Die zirkulären Investitionen werden als strategische Moves gesehen, nicht als Warnsignal.

Broadcom wird ebenfalls positiv bewertet, aber weniger euphorisch. Es ist die solidere, aber weniger spektakuläre Wahl.

Für Anleger stellt sich die Frage: Vertrauen sie dem Konsens oder dem Außenseiter?

Die Geschichte zeigt: Manchmal haben Einzelgänger recht. Aber meistens irren sie sich.