10. Juni, 2026

Unternehmen

Der grausame Ausverkauf: Wie BioNTech den Standort Tübingen zerschlägt und Hoffnungen vernichtet

Das einstige Biotech-Wunderkind CureVac steht vor dem Ruin. Nach der Übernahme durch BioNTech droht die Zerschlagung des Tübinger Standorts: Hunderte Experten verlieren ihren Job, während die Konzernführung in Mainz eine Abwicklung im Eiltempo erzwingt.

Der grausame Ausverkauf: Wie BioNTech den Standort Tübingen zerschlägt und Hoffnungen vernichtet
Nach der BioNTech-Übernahme droht bei CureVac das Aus. Hunderte Jobs in Tübingen fallen weg, während die Konzernführung hart verhandelt.

Der Mainzer Konzern übt massiven Druck auf die Belegschaft aus

Was einst als große Hoffnung der deutschen Biotechnologie gefeiert wurde, endet nun in einem bürokratischen Kahlschlag. Die Übernahme von CureVac durch BioNTech, die Anfang des Jahres mit Versprechen auf Kontinuität und Erhalt der Forschungsstruktur besiegelt wurde, hat sich in eine bittere Enttäuschung verwandelt. In den Fluren der Tübinger Labore macht sich längst Resignation breit, denn die neue Führung in Mainz hat klare Fakten geschaffen.

Die Zeit drängt, und die Ungewissheit lähmt den Arbeitsalltag. Laut Informationen des Betriebsrats ist der Zeitplan für den Abbau nicht nur ambitioniert, sondern aus Sicht der Belegschaft schlichtweg rücksichtslos. Etwa zwei Drittel aller Arbeitsplätze sollen bis zum Jahresende 2026 der Vergangenheit angehören. Das Ziel der Konzernleitung ist unmissverständlich: Der operative Betrieb soll zum 31. Dezember 2026 komplett eingestellt werden.

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Die Beschäftigten fühlen sich bei den Verhandlungen übergangen

Der Frust bei den Arbeitnehmervertretern ist greifbar. Die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Heike Wagenaar fand deutliche Worte für den Umgangston der neuen Eigentümer. Die Geschäftsführung von BioNTech sei bislang „nicht wirklich kooperativ“, beklagt sie. Ernsthafte Verhandlungen über verbesserte Abfindungen oder weitreichende Unterstützungsprogramme, die über das absolute Minimum hinausgehen, finden nach ihrer Einschätzung nicht statt.

Besonders perfide wirkt dabei die Strategie der Aufhebungsverträge. Bereits im September sollen Mitarbeiter, die den Standort verlassen müssen, ein erstes Angebot erhalten. Dieser forsche Ansatz schürt den Druck auf die Familien und Fachkräfte, die nun zwischen der Hoffnung auf eine Abfindung und der Angst vor der Arbeitslosigkeit gefangen sind. BioNTech hingegen beharrt auf der Linie eines sozialverträglichen Abbaus, doch die Wahrnehmung vor Ort weicht eklatant von den Hochglanz-Pressemitteilungen ab.

Das regionale BiotechÖkosystem droht dauerhaft zu kollabieren

Die prekäre Lage verschärft sich durch den Mangel an Ausweichmöglichkeiten im direkten Umfeld. Wer in Tübingen eine hochspezialisierte Tätigkeit im Bereich der mRNA-Forschung ausübt, findet keineswegs ein breites Portfolio an alternativen Arbeitgebern vor. Die Region ist zwar akademisch geprägt, doch die industrielle Basis, die in der Lage wäre, hunderte Experten auf diesem Niveau aufzufangen, ist schlicht nicht existent.

Die Befürchtungen des Betriebsrats sind daher nicht als bloße Polemik zu verstehen, sondern als realistische Einschätzung einer drohenden Deindustrialisierung. „Es gibt hier nicht Pharma- und Biotechnologieunternehmen am laufenden Band, die großzügig Mitarbeiter mit diesen Qualifikationen einstellen“, konstatiert Wagenaar. Besonders junge Familien, die sich in Tübingen niedergelassen haben, stehen vor dem sozialen Abgrund. Ohne ein massives Eingreifen externer Akteure droht ein Abfluss von geistigem Kapital, der für die gesamte Innovationsregion verheerende Folgen haben könnte.

Die Landesregierung versucht den Standort vor dem Absturz zu retten

In Stuttgart hat man das Ausmaß der Krise erkannt und eine Taskforce aus dem Boden gestampft. Beteiligt sind das Wissenschafts- und Wirtschaftsministerium, das Staatsministerium sowie die Bundesagentur für Arbeit. Das hehre Ziel lautet, die Forschungs-Infrastruktur zu retten und zumindest einen Teil der „Top-Talente“ im Land zu halten. Doch der Erfolg dieses Vorhabens ist mehr als fraglich.

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Die Verhandlungen zwischen der Landespolitik und dem BioNTech-Management gleichen einem Kampf gegen Windmühlen. Während die Politik versucht, die Scherben einer gescheiterten Unternehmensfusion zusammenzukehren, macht die Konzernführung in Mainz ungerührt mit der Zerschlagung weiter. Es bleibt eine bittere Pointe, dass ausgerechnet die Firma, die für Deutschlands Aufstieg in der Impfstoff-Welt gefeiert wurde, nun durch ihre Expansionspolitik eines der wichtigsten Forschungszentren des Landes demontiert. Wenn die Lichter in Tübingen endgültig ausgehen, wird das Vertrauen in die Konsolidierung des Biotech-Sektors ein für alle Mal erschüttert sein.