08. Juni, 2026

Unternehmen

Hedgefonds entdeckt Ferrari als Geldmaschine: 500 Millionen Dollar für Traumwagen-Kredite

Fasanara Capital startet eine Plattform für Kredite auf Vintage-Ferrari – Teil eines globalen Trends, der private Kreditgeber in die exotischsten Ecken der Finanzmärkte treibt.

Hedgefonds entdeckt Ferrari als Geldmaschine: 500 Millionen Dollar für Traumwagen-Kredite
Londoner Hedgefonds Fasanara Capital startet Ferrari-Kreditplattform – Ziel: 500 Mio. Dollar in zwei Jahren, gestartet mit 75 Mio. Dollar.

Ein Ferrari Enzo, Baujahr 2002, limitiert auf 400 Exemplare, aktueller Marktwert: mehrere Millionen Dollar. Ein Ferrari F50, gebaut in 349 Einheiten, ähnliche Preisregion. Diese beiden Fahrzeuge standen am Anfang einer Geschäftsidee, die auf den ersten Blick wie eine Kuriosität wirkt — und bei näherer Betrachtung symptomatisch ist für einen der bedeutendsten Strukturwandel im globalen Kreditmarkt.

Der Londoner Hedgefonds Fasanara Capital startet eine Plattform, die Kredite auf Vintage-, Renn- und Klassikfahrzeuge der Marke Ferrari vergibt. Startkapital: 75 Millionen Dollar. Ziel: 500 Millionen Dollar in zwei Jahren. CEO Francesco Filia nennt es eine logische Erweiterung des Portfolios. Die Zahlen dahinter sind ernster als der Anlass vermuten lässt.

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Private Credit sucht neue Grenzen — und findet sie in Garagen

Der klassische Private-Credit-Markt war lange auf zwei Segmente konzentriert: Immobilienfinanzierungen und Unternehmenskredite. Beides ist lukrativ, beides ist inzwischen hart umkämpft. Hunderte Milliarden Dollar konkurrieren in denselben Deals, die Margen sinken, die Differenzierung schwindet.

Die Antwort der Branche ist Diversifikation in immer exotischere Asset-Klassen. Feine Weine als Kreditsicherheit. Musikrechte-Kataloge als Beleihungsgrundlage. Transfergebühren von Fußballspielern als Underlying für strukturierte Produkte. Und jetzt: Ferrari.

Es klingt nach einem Witz aus der Welt der Superreichen. Es ist ein ernsthaftes Kreditgeschäft. Seltene Ferrari-Modelle haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine Wertentwicklung gezeigt, die viele traditionelle Anlageklassen übertrifft. Ein Ferrari 250 GTO, in den frühen 1960ern gebaut, wechselt heute für Preise jenseits von 50 Millionen Dollar den Besitzer. Die Volatilität ist geringer als bei Kryptowährungen, die Liquidität höher als bei anderen Sammlerstücken — und die Besitzer sind typischerweise vermögend genug, um Kredite zu bedienen.

Ein Ferrari-Familienmitglied sitzt mit im Boot

Die Struktur der Partnerschaft ist dabei kein Zufall. Fasanara Capital bringt die Finanzierungsexpertise mit — Zeichnung, Strukturierung, rechtliche Absicherung. Die operative Seite übernehmen die Partner: die Mattioli Automotive Group und Enzo Mattioli Ferrari, ein Mitglied der Ferrari-Gründerfamilie.

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Das ist mehr als symbolischer Wert. Ein Familienmitglied der Gründerdynastie bringt Zugang zu Netzwerken, Expertenwissen über Authentizität und Provenienz sowie Glaubwürdigkeit in einem Markt, in dem Vertrauen die wichtigste Währung ist. Gefälschte oder falsch beschriebene Sammlerwagen sind ein reales Risiko im Luxusautomobilmarkt — Insider-Expertise ist hier echte Risikominimierung, kein Marketing.

Ferrari als Unternehmen ist an der Plattform nicht beteiligt. Die Marke selbst profitiert dennoch indirekt: Jede Plattform, die Kapital in den Erhalt, die Restaurierung und den Handel seltener Ferrari-Modelle pumpt, stärkt das Ökosystem um die Marke.

Fasanara ist kein Nischenanbieter — es ist ein 5,7-Milliarden-Haus

Wer Fasanara Capital nicht kennt, könnte die Initiative als Spielerei eines kleinen Spezialisten abtun. Das wäre ein Fehler. Der 2011 gegründete Hedgefonds verwaltet rund 5,7 Milliarden Dollar in knapp 200 spezialisierten Teams — sogenannten Pods —, die jeweils als eigenständige Einheiten innerhalb der Gesamtstruktur operieren. Asset-based Finance, Konsumentenkredite, CLOs, Sportkredite: Fasanara ist ein erfahrener Akteur in alternativen Kreditstrategien.

Die Ferrari-Plattform ist ein Pod innerhalb des F-One Multistrategy Hedge Funds, der 2025 gestartet wurde und rund 410 Millionen Dollar verwaltet. Den Anfang machten zwei konkrete Deals im vergangenen Jahr: die Finanzierung eines Ferrari Enzo und eines Ferrari F50, die anschließend über das renommierte Auktionshaus RM Sotheby's verkauft wurden. Die Transaktionen liefen, die Logik bewährte sich — und aus dem Experiment wurde eine Plattform.

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500 Millionen Dollar sind das Ziel — der Markt ist größer

Filia will in zwei Jahren 500 Millionen Dollar für die Strategie einsammeln. Das klingt ambitioniert für einen Nischenmarkt. Es ist es nur bedingt. Der globale Markt für Sammlerwagen wird auf über 30 Milliarden Dollar geschätzt, Ferrari nimmt dabei einen überproportionalen Anteil ein. Kredite auf Sammelwagen — sogenannte Collector Car Loans — sind in den USA bereits ein etabliertes Segment, das von spezialisierten Anbietern wie Woodside Credit oder der Bank of America bedient wird.

Europa hinkt hinterher. Fasanara positioniert sich in einer Lücke, die real ist und wächst: wohlhabende europäische Sammler, die ihre Fahrzeuge nicht verkaufen wollen, aber kurzfristig Liquidität benötigen, oder die Investitionen in Restaurierungsprojekte finanzieren wollen.

Der Ferrari auf dem Podest eines Auktionshauses war lange das Symbol schlechthin für konsumtiven Luxus ohne finanzielle Funktion. Fasanara Capital macht daraus ein Kreditinstrument. In einer Welt, in der Private Credit buchstäblich jeden Vermögenswert beleihbar macht, ist das konsequent — und vielleicht nur der Anfang.