Wie Ignatova drei Millionen Anleger in den Bann zog
Als Ruja Ignatova 2014 das Onecoin-Netzwerk ins Leben rief, ließ sie ihre Anleger vom ganz großen Reichtum träumen. Die Zeit war günstig: Viele Anleger hatten damals erstmals vom Bitcoin gehört und ärgerten sich, den Aufstieg der bekanntesten Kryptowährung nur von der Seitenlinie verfolgt zu haben. Ignatova, eine promovierte Juristin, Deutsche mit bulgarischen Wurzeln, nutzte die Renditegier und bewarb ihr Projekt als „Bitcoin-Killer“. Rund drei Millionen Menschen weltweit pumpten Geld in Onecoin, der Schaden wird auf etwa 4 Milliarden Euro geschätzt.
Seit die Blase platzte, fehlt von der selbst ernannten „Krypto-Queen“ jede Spur. Zuletzt wurde sie 2017 gesehen. Mehrere Staaten haben ein Kopfgeld ausgesetzt, das FBI zählt sie zu den zehn meistgesuchten Verbrechern der Erde und belohnt Hinweise mit bis zu fünf Millionen Dollar.

Zwei Londoner Wohnungen bringen zehn Millionen Euro
Bei der Staatsanwaltschaft Bielefeld ist Ermittler Carsten Nowak nicht nur der Drahtzieherin auf den Fersen, sondern auch dem erbeuteten Geld. Nun konnte er zehn Millionen Euro sicherstellen. Das Geld stammt nach seinen Worten „aus dem Verkauf von zwei Eigentumswohnungen in London, die wirtschaftlich Dr. Ignatova zuzurechnen sind“. Gemeint sind ihr Penthouse samt Pool und eine kleinere Wohnung für ihre Leibwächter. Den damaligen Kaufpreis von 20 Millionen Euro ließ sich nicht mehr erzielen, weil die Objekte stark heruntergekommen gewesen sein sollen, die Hälfte des Werts blieb aber erhalten. Das Geld fließt von London über die Kanalinsel Guernsey nach Deutschland zurück.
Villa und Yacht bleiben unerreichbar
Ignatova werden weitere Vermögenswerte zugerechnet, etwa eine Villa in Sozopol am Schwarzen Meer, die True-Crime-Fans nach ihrem Abtauchen zeitweise bei Booking.com als Ferienwohnung buchen konnten, oder die Luxusyacht Davina, die sie für knapp sieben Millionen Euro gekauft hatte. Das Problem beschreibt Nowak so: Weder auf der Villa noch auf der Yacht gebe es einen Stempel mit dem Namen Ignatovas. Könne man nicht beweisen, dass die Werte ihr gehören, komme man nicht heran.

Nur ein Bruchteil der Geschädigten ist anspruchsberechtigt
Von den sichergestellten Millionen profitieren nicht alle Anleger. Anspruch haben laut Staatsanwaltschaft etwa 17.000 Anleger, ein Bruchteil der Geschädigten. Berechtigt sind Onecoin-Investoren, die zwischen dem 9. Januar 2015 und dem 15. August 2016 Zahlungen auf Konten des Zahlungsdienstleisters IMS GmbH aus Greven geleistet haben. Im Quelltext des Artikels steht als Beginn der 9. Januar 2025, das ergibt zeitlich keinen Sinn, da der Zeitraum vor August 2016 endet. Vermutlich handelt es sich um einen Tippfehler für 2015. Das sollten Sie vor der Veröffentlichung gegen die Originalquelle prüfen.
Das Landgericht Münster hatte die Betreiber der International Marketing Services GmbH wegen Beihilfe zum Betrug verurteilt. Sie sollen in mehr als 12.800 Fällen ohne Erlaubnis Zahlungsdienste angeboten und Transaktionen im Wert von 320 Millionen Euro abgewickelt haben. Von der Firma hatte die Staatsanwaltschaft bereits rund 28 Millionen Euro eingezogen. Insgesamt wurden damit fast 40 Millionen Euro zurückgeholt, ein kleiner Teil des Gesamtschadens. Die Summe steht zudem nicht nur deutschen Anlegern zu, sondern auch Geschädigten aus mehreren anderen europäischen Ländern.

So melden sich Betroffene
Betroffene müssen selbst aktiv werden:
- Wo: schriftlich bei der Staatsanwaltschaft Bielefeld, Aktenzeichen 6 Js 26/24 V
- Was: Nachweis der Onecoin-Investition im genannten Zeitraum, etwa durch Kopien, Kontoauszüge oder andere Dokumente
- Bis wann: innerhalb von sechs Monaten, danach fällt überschüssiges Geld an den Fiskus
Die Fahndung läuft weiter
Die Taten, die Ignatova zur Last gelegt werden, verjähren im Sommer 2031. Wer sachdienliche Hinweise zu ihrem Aufenthalt hat, soll sich an das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf wenden. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat eine Belohnung von 5.000 Euro ausgesetzt. Für Anleger bleibt der Fall eine Warnung: Wer ein Produkt als „Bitcoin-Killer“ mit garantierten Traumrenditen verkauft, spielt mit der Angst, etwas zu verpassen.


