02. November, 2026

Krypto

Binance öffnet die Auszahlungen wieder: 3,5 Milliarden Dollar Abflüsse, FBI bestätigt Nordkorea

Zwei Tage nach dem größten Krypto-Hack der Geschichte läuft der Betrieb wieder an. Binance hat nach eigenen Angaben rund 95 Prozent der gestohlenen Werte ersetzt. Offen bleibt, wie teuer der Vorfall am Ende wird.

Binance öffnet die Auszahlungen wieder: 3,5 Milliarden Dollar Abflüsse, FBI bestätigt Nordkorea
Die Börse hat nach eigenen Angaben 95 Prozent der gestohlenen Gelder aus Unternehmenskasse und Fonds ersetzt.

Auszahlungen laufen schrittweise wieder

Binance hat am Sonntag begonnen, die Auszahlungen für Kunden wiederherzustellen. Zuvor hatten Hacker mehr als sechs Milliarden Dollar abgezogen, der größte Cyberdiebstahl, der je erfasst wurde. Die weltgrößte Kryptobörse öffnete Bitcoin-Abhebungen nach 14 Uhr Singapur-Zeit, mehr als zwei Tage nach dem Stopp. Bis zum Abend in Asien flossen nach Daten von DefiLlama rund 3,5 Milliarden Dollar netto ab. Co-Chefin Yi He sagte auf X, ein Teil der Transfers finde zwischen Binance-eigenen Wallets statt.

Michael C. Jakob — Investor, Gründer AlleAktien & Eulerpool
Michael C. Jakob: Investor, Gründer und CIO des Hedgefonds Atlas Capital, Gründer von AlleAktien und Eulerpool. MIT, McKinsey, UBS. 26,8 % p.a. seit 2010.

Die erste Phase umfasst 15 Token, darunter Ether und die beiden größten Stablecoins, Tethers USDT und Circles USDC. Auszahlungen auf 15 Blockchain-Netzwerken, darunter Ethereum, BNB Smart Chain, XRP und Base, liefen gegen 20:30 Uhr wieder. Binance priorisiert nach der Nachfrage der Vorwoche und will jedes Netz erst nach Stabilitäts- und Sicherheitsprüfungen freigeben. Ein Sprecher sagte, die Abhebungen hätten zu Beginn „stark ausgeschlagen“, stabilisierten sich aber auf ein normales Niveau. Das ist ein kleiner Anteil der verwalteten Vermögen: Binance verwaltet rund 132 Milliarden Dollar, der Zweitplatzierte OKX rund 29 Milliarden Dollar.

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FBI bestätigt Nordkorea

Die US-Bundespolizei FBI erklärte am Samstag, der Angriff sei von TraderTraitor verübt worden, einer nordkoreanischen Elite-Hackereinheit. Sie wird auch für den Bybit-Diebstahl 2025 über rund 1,5 Milliarden Dollar verantwortlich gemacht. Der Binance-Fall ist viermal so groß. Auch die Analysefirmen TRM Labs, Chainalysis und Elliptic nennen nordkoreanische Hacker als Täter. Damit ist aus der Einschätzung von Freitag, die ich als unbestätigt gekennzeichnet hatte, eine behördliche Zuordnung geworden.

Binance will die Verluste tragen

Binance gibt an, etwa 95 Prozent der gestohlenen Kryptowerte aus der Unternehmenskasse, aus Notfallfonds und aus Versicherungsmitteln ersetzt zu haben. „Binance wird die finanziellen Folgen der gestohlenen Gelder tragen. Diese Verluste werden nicht an Nutzer weitergegeben.“ Die Börse könne das tragen, weil sie ihre Einnahmen laufend in Kryptowerte investiert habe, sagte Co-Chef Richard Teng. Yi He sagte, die Einnahmen des laufenden Jahres deckten den Verlust komplett. Der Notfallfonds SAFU liegt üblicherweise bei rund einer Milliarde Dollar.

Wie teuer es am Ende wird, ist unklar. Binance hatte am Freitag etwa drei Milliarden Dollar der betroffenen Werte als eingefroren gemeldet. Das heißt nicht, dass sie zurückgeholt sind.

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Markt: Folgen bislang begrenzt

Die Marktfolgen bleiben bisher überschaubar. Die meisten großen Kryptowährungen bewegten sich am Sonntag um weniger als ein Prozent. Der Bitcoin, der rund 60 Prozent des Marktwerts der Branche ausmacht, notierte um 78.000 Dollar, etwa fünf Prozent unter dem Donnerstagshoch vor dem Angriff. Haseeb Qureshi vom Risikokapitalgeber Dragonfly sagte, das zeige, wie reif die Branche geworden sei: „Wir haben extrem schnelle Reaktionen gesehen.“ Die Aktie des Stablecoin-Herausgebers Circle lag laut Seitenkopf bei 72,54 Dollar, ein Plus von 9,3 Prozent. Ob das Kursplus mit dem Hack zusammenhängt, steht nicht in der Meldung.

Wie Kunden reagieren

Die Reaktionen sind uneinheitlich. Das Handelshaus SQS Trading hat etwa ein Viertel seines Handelskapitals bei Binance und will diesen Anteil um rund ein Drittel senken, ohne Positionen aufzulösen. Gründer Eli Williams will die Abflüsse beobachten. Justin d’Anethan von Arctic Digital sagt dagegen, er werde Binance nicht verlassen: Bei Unregelmäßigkeiten sei schnelles Handeln gut, bei einer Katastrophe sei Abwarten besser.

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Was offen bleibt

Binance hat die Adressen seiner Reservenachweise (Proof of Reserves) aktualisiert und wickelt künftig alle Auszahlungen über neu erzeugte Wallets ab. Das Unternehmen räumt Versäumnisse ein: „Es gibt Bereiche, in denen wir es besser hätten machen können. Wir hätten früher mehr in Sicherheit investieren und strengere Standards setzen sollen.“ Der Angriff soll über den Laptop eines Software-Entwicklers erfolgt sein, dazu kämen „weitere Einbruchspunkte“. Hinweise auf Lecks privater Schlüssel gebe es nicht. Experten sehen KI als Verstärker: Nordkoreanische Hacker setzen KI offenbar zur Aufklärung und für Social Engineering ein.

Einordnung für Anleger

Der Vorfall verläuft bisher glimpflicher als befürchtet. Die Börse zahlt, die Auszahlungen laufen, und der Markt reagiert gelassen. Das stützt die These, die Branche sei robuster als bei früheren Pleiten wie FTX oder Mt. Gox.

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Offen sind drei Fragen. Erstens, wie hoch die Rechnung für Binance am Ende ist und wie viel zurückkommt. Zweitens, ob Kunden dauerhaft Gelder abziehen. Die 3,5 Milliarden Dollar Abflüsse sind relativ klein, aber die Tendenz der nächsten Tage zählt. Drittens, wie Regulierer reagieren, zumal in den USA nächste Woche gewählt wird. Wer Kryptowerte auf Börsen verwahrt, sollte das Verwahrrisiko ernst nehmen. Dies ist keine Anlageberatung.