06. Oktober, 2026

Krypto

Saylor fordert „Grundrechte“ für Krypto: Banken sollen Bitcoin verwahren und beleihen dürfen

Der Strategy-Chairman will Regulierung durch einen Katalog digitaler Grundrechte ersetzen. Im Zentrum steht die Forderung, Bitcoin tiefer ins klassische Bankensystem zu integrieren, während sein eigenes Unternehmen inzwischen fast 848.000 Bitcoin hält.

Saylor fordert „Grundrechte“ für Krypto: Banken sollen Bitcoin verwahren und beleihen dürfen
Strategy hält inzwischen 847.666 Bitcoin im Wert von rund 64 Milliarden Dollar, Saylor drängt auf regulatorische Reformen.

Ein Grundrechtekatalog statt klassischer Regulierung

Michael Saylor, Executive Chairman des Bitcoin-Unternehmens Strategy, hat sich für eine Art Grundrechtekatalog für digitale Vermögenswerte ausgesprochen. In seinem am 26. September 2026 veröffentlichten Beitrag „Prescriptions for Prosperity in the Digital Economy“ auf X fordert er eine „bill of digital rights“ anstelle einer Regulierung, die seiner Ansicht nach vor allem auf Einschränkungen setzt. Die Vorschläge hatte Saylor zuvor beim Freedom Tech DC Summit des Bitcoin Policy Institute mit Conner Brown diskutiert.

Fünf Rechte für Privatpersonen und Unternehmen

Konkret nennt Saylor fünf Rechte, die sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen zustehen sollten. Sie sollen digitale Vermögenswerte schaffen, ausgeben, selbst oder über einen Dienstleister verwahren, frei übertragen und nutzen können. Unter Nutzung versteht Saylor unter anderem das Bezahlen, Investieren, Erzielen von Erträgen sowie die Aufnahme von Krediten auf Basis digitaler Vermögenswerte. Ergänzt werden sollen diese Rechte nach seinen Vorstellungen durch finanzielle Privatsphäre und einen praktikablen Zugang zu den Märkten.

Saylor verbindet seine Forderungen mit dem Ziel, die Kapitalbeschaffung über digitale Token zu vereinfachen. Langfristig hält er eine Digital-Asset-Branche mit einem Volumen von 100 Billionen Dollar für möglich, eine Größenordnung, die den heutigen Markt für Kryptowährungen um ein Vielfaches übersteigen würde.

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Bitcoin soll tiefer ins klassische Bankensystem vordringen

Einen Schwerpunkt legt Saylor auf die Rolle von Bitcoin im klassischen Finanzsystem. Banken sollten die Kryptowährung seiner Ansicht nach verwahren und Kredite gegen Bitcoin als Sicherheit vergeben dürfen. Auch Versicherer sollten einen praktikablen regulatorischen Rahmen erhalten, um digitale Vermögenswerte in ihre Bilanzen und Produkte einzubeziehen. Dafür fordert Saylor eine Überprüfung bestehender Bilanzierungs-, Kapital- und Aufsichtsregeln.

Als Beispiel verweist er auf die Vorgaben des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht im Rahmen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Für Kryptoassets der Gruppe 2b sieht das Basel Framework ein Risikogewicht von 1.250 Prozent vor, eine Kategorie, die Kryptoassets umfasst, die bestimmte Klassifizierungsbedingungen und Kriterien für die Anerkennung von Absicherungsgeschäften nicht erfüllen. Das Regelwerk sieht zudem für das gesamte Engagement einer Bank in Kryptoassets der Gruppe 2 grundsätzlich eine Schwelle von einem Prozent des Kernkapitals sowie eine Obergrenze von zwei Prozent vor. Genau diese strengen Kapitalanforderungen sind aus Sicht der Bitcoin-Branche ein zentrales Hindernis dafür, dass Banken digitale Vermögenswerte bislang kaum in nennenswertem Umfang in ihre Bilanzen aufnehmen. Saylor fordert deshalb, die Behandlung digitaler Vermögenswerte stärker nach dem tatsächlichen Risiko und der jeweiligen Aktivität auszurichten, statt pauschal hohe Risikogewichte anzusetzen.

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Die Forderungen treffen unmittelbar auf Strategys eigenes Geschäftsmodell

Saylors Vorstoß ist dabei keineswegs losgelöst von seinen eigenen unternehmerischen Interessen zu betrachten. Das börsennotierte Unternehmen Strategy hat Bitcoin zu einem zentralen Bestandteil seiner Kapitalstrategie gemacht und zählt zu den größten bekannten Unternehmenshaltern der Kryptowährung. Nach den jüngsten Angaben von Strategy hielt das Unternehmen zum 29. September 2026 insgesamt 847.666 Bitcoin, die gesamten Anschaffungskosten summierten sich inzwischen auf rund 63,95 Milliarden Dollar.

Eine stärkere Integration von Bitcoin ins Bankensystem, etwa über beleihbare Bitcoin-Bestände oder erleichterte Verwahrungsregeln für Kreditinstitute, würde unmittelbar auch den Wert und die Liquidität von Strategys eigenem Bitcoin-Bestand begünstigen. Eine konkrete Aussage über Auswirkungen von Saylors jüngstem Vorstoß auf die Strategy-Aktie enthält das Unternehmen selbst nicht, eine belastbare unmittelbare Kurswirkung lässt sich aus den vorliegenden Informationen entsprechend nicht ableiten.

Ein wiederkehrendes Muster in Saylors öffentlichem Auftreten

Für Beobachter der Kryptobranche fügt sich der aktuelle Vorstoß in ein bekanntes Muster ein, Saylor verbindet öffentliche, grundsätzliche Debatten über die Zukunft digitaler Vermögenswerte regelmäßig mit konkreten regulatorischen Forderungen, die im Erfolgsfall auch der eigenen, auf Bitcoin ausgerichteten Unternehmensstrategie zugutekämen. Ob die Forderung nach einem eigenen Grundrechtekatalog für digitale Vermögenswerte in den USA tatsächlich politisches Gehör findet, bleibt offen, insbesondere angesichts der nach wie vor vorsichtigen Haltung vieler Bankenaufseher gegenüber einer tieferen Verzahnung von Kryptowährungen und dem regulierten Finanzsystem.

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