04. September, 2026

Unternehmen

80 Mitarbeiter, offene Bestellungen, laufende Mietverträge: Das ungeordnete Ende von JP Performance

Kündigungsfristen, Anzahlungen, Gewerbemieten: Was die angekündigte Schließung der Kraemer-Gruppe für Beschäftigte, Kunden und Vermieter konkret bedeutet.

InvestmentWeek, 4. September 2026. „Was mit den Mitarbeitern, den Gebäuden und den Bestellungen passiert, muss ich jetzt regeln“ — mit diesem Satz hat Jean Pierre Kraemer die operative Dimension seiner Ankündigung umrissen, alle rund 18 Unternehmen zu schließen. Hinter dem Satz stehen etwa 80 Beschäftigte, laufende Mietverträge, Lieferantenbeziehungen und Kunden, die bezahlt haben und auf Ware oder Werkstatttermine warten.

Die Beschäftigten: Kündigungsfristen gelten auch für Imperien

Eine Unternehmensschließung ist arbeitsrechtlich kein Fingerschnippen. Betriebsbedingte Kündigungen erfordern die Einhaltung gesetzlicher oder vertraglicher Kündigungsfristen, bei längerer Betriebszugehörigkeit bis zu sieben Monate zum Monatsende. In Betrieben ab 20 Beschäftigten können bei Entlassungswellen Massenentlassungsanzeigen bei der Agentur für Arbeit nötig werden; existiert ein Betriebsrat, kommen Interessenausgleich und Sozialplan hinzu. Wie viele der rund 80 Mitarbeiter auf welche Gesellschaften verteilt sind, ist öffentlich nicht bekannt — davon hängt aber ab, welche Schwellenwerte greifen.

Für die Beschäftigten ist die Lage bitter, aber nicht rechtlos: Löhne sind bis zum Ende der Kündigungsfrist zu zahlen. Sollte eine Gesellschaft in die Insolvenz rutschen, sichert das Insolvenzgeld bis zu drei Monatsgehälter ab.

Kunden: Anzahlungen, Gutscheine, offene Aufträge

Werkstattkunden mit Anzahlungen, Käufer im Merchandise-Shop, Inhaber von Gutscheinen etwa für Museum oder Gastronomie: Sie alle sind Gläubiger ihrer jeweiligen Vertragsgesellschaft. Solange geordnet abgewickelt wird, werden Verträge erfüllt oder Zahlungen erstattet. Kritisch wird es erst, wenn einzelne Gesellschaften zahlungsunfähig werden — dann werden aus Kunden Insolvenzgläubiger mit ungewissen Quoten. Was Kunden von Big Boost Burger und PACE jetzt konkret tun sollten, steht hier.

Vermieter und Lieferanten

Gewerbemietverträge über Werkstatt-, Museums- und Gastroflächen laufen typischerweise über Jahre und enden nicht durch eine YouTube-Ankündigung. Entweder es finden sich Nachmieter, oder die Gesellschaften zahlen weiter — oder die Verbindlichkeiten landen in einem Insolvenzverfahren. Gleiches gilt für Lieferanten mit Rahmenverträgen und bestellter Ware.

Die Reihenfolge entscheidet

Ob am Ende eine geordnete Liquidation oder ein Insolvenzverfahren steht, hängt an der Frage, ob die Gesellschaften ihre Verbindlichkeiten aus dem vorhandenen Vermögen decken können. Substanz ist vorhanden — Immobilien, Werkstattausrüstung, eine Fahrzeugsammlung von rund 100 Autos, deren Verwertung wir hier durchrechnen. Entscheidend wird sein, ob die Verwertung schneller Geld bringt, als die laufenden Kosten es verbrennen. Genau daran scheitern Schließungen, die als „geordnet“ beginnen, am häufigsten.