04. September, 2026

Unternehmen

JP Performance vor dem Aus: Kraemer schließt alle 18 Firmen – was mit 100 Millionen Euro Umsatz passiert

Nach teilweise eingeräumten Gewaltvorwürfen kündigt Jean Pierre Kraemer die Schließung seines gesamten Firmengeflechts an: rund 18 Firmen, 100 Mio. Euro Umsatz, 80 Mitarbeiter. Der Überblick.

InvestmentWeek, 4. September 2026. Es ist das abrupteste Ende, das die deutsche Influencer-Wirtschaft je gesehen hat: Jean Pierre „JP“ Kraemer, 45, hat angekündigt, sein gesamtes Firmengeflecht zu schließen — rund 18 Unternehmen, nach eigener Angabe rund 100 Millionen Euro Jahresumsatz, etwa 80 Mitarbeiter. Der Auslöser: Vorwürfe häuslicher Gewalt gegen seine Noch-Ehefrau, die Influencerin Julia Meck, die Kraemer in eigenen Videos teilweise eingeräumt hat.

„Ich werde alle Unternehmen schließen“, sagte Kraemer am Dienstag in einem knapp fünfminütigen YouTube-Video mit dem Titel „Danke!“, das er selbst als sein letztes bezeichnete. Was mit den Gebäuden, den Mitarbeitern und den laufenden Bestellungen passiert, sei noch offen.

Was gesichert ist

Ende Juli rückte die Polizei zur gemeinsamen Villa des Paares in Dortmund aus, Anlass war eine häusliche Auseinandersetzung. Es folgten Anzeigen, das Ermittlungsverfahren wurde zunächst eingestellt, weil Meck vor Ort auf einen Strafantrag verzichtete und die Staatsanwaltschaft kein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung sah.

Ende August wurden Aufnahmen öffentlich, über die unter anderem der WDR berichtete und die Übergriffe zeigen sollen. Am 28. August äußerte sich Kraemer erstmals per Video: Er sprach von mindestens einem Schlag „mit der flachen Hand“ und davon, seiner Frau „eine Kette vom Hals gerissen“ zu haben. „Man schlägt keine Frauen, das ist nicht gutzumachen“, sagte er. Meck berichtete gegenüber der „Bild“ von wiederholten Misshandlungen in der Ehe. Das Paar hat die Trennung öffentlich gemacht und lässt sich scheiden.

Am Mittwoch bestätigte die Staatsanwaltschaft Dortmund gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass das Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung wieder aufgenommen wurde — ein Anwalt Mecks hatte Strafantrag gestellt. Es gilt die Unschuldsvermutung. Die juristischen Details haben wir hier aufgeschlüsselt.

Ein Imperium, das nur mit ihm funktioniert

Kraemer hat in gut einem Jahrzehnt aus einer Dortmunder Tuning-Werkstatt ein verschachteltes Firmengeflecht gebaut: die Werkstatt und Marke JP Performance, das private Automuseum PACE, die Gastro-Kette Big Boost Burger, ein Modelabel, dazu Beteiligungen und Nebengesellschaften. Sein YouTube-Kanal zählt 2,7 Millionen Abonnenten, sein Instagram-Account 1,4 Millionen Follower. Die Reichweite war der Umsatztreiber für praktisch jedes einzelne Geschäft — eine Anatomie des Geflechts findet sich hier.

Genau diese Konstruktion wird jetzt zum Problem. Ein Unternehmen, dessen Wert fast vollständig an einer Person und ihrer öffentlichen Reputation hängt, lässt sich nach einem Reputationskollaps weder weiterführen noch verkaufen. Erste Geschäftspartner haben bereits reagiert: Die Getränkemarke Gönrgy beendete die Zusammenarbeit, der Streamingdienst Joyn ging auf Distanz.

Die offenen Fragen

Wie eine „Schließung“ von rund 18 Gesellschaften konkret aussieht — geordnete Liquidation, Verkauf einzelner Vermögenswerte oder am Ende doch Insolvenzverfahren einzelner Einheiten — ist offen. Kraemer selbst sagte im Video, wie er das mache, sei ihm „selbst noch ein Rätsel“. Betroffen sind rund 80 Beschäftigte, Lieferanten, Vermieter und Kunden mit offenen Bestellungen.

Offen ist auch, was aus den Vermögenswerten wird: Immobilien in Dortmund, das PACE-Museum und eine Fahrzeugsammlung von rund 100 Autos. InvestmentWeek wird die Abwicklung in den kommenden Tagen im Detail begleiten.